Ärzte Zeitung online, 16.01.2014

"Pille danach"

BÄK gegen OTC-Freigabe

BERLIN. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Frank Ulrich Montgomery, warnt vor einer rezeptfreien Abgabe des Notfallkontrazeptivums Levonorgestrel, der "Pille danach".

Dies bleibe ein "Notfallmedikament mit Nebenwirkungen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Donnerstag und plädierte dafür, an der ärztlichen Beratung festzuhalten. Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn hatte zuvor mit einem ähnlichen Argument seine Forderung erneuert, an der Rezeptpflicht festzuhalten.

Montgomery forderte, dass stets auch die "Wirksamkeit und Verträglichkeit des Wirkstoffes beziehungsweise der derzeitigen Alternativen" zu diskutieren sei.

Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte sich am Dienstag für die Freigabe von Levonorgestrel aus der Rx-Pflicht ausgesprochen. (eb)

[17.01.2014, 08:37:09]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sonntagsreden?
Bundesärztekammer(BÄK)-Präsident, Prof. h. c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, als Facharzt für Radiologie, und der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn als Nicht-Mediziner sind beide mit der Verordnung eines Notfallkontrazeptivums als "Pille danach" wohl wenig vertraut. Sonst wüssten Sie, dass es zwei Substanzen zur Auswahl gibt:

• den selektive Progesteronrezeptor-Modulator mit 30 mg Ulipristalacetat (ellaOne®) und
• das Präparat mit dem bezeichnenden Namen PiDaNa® mit 1,5 mg Levonorgestrel.

Beides sind selbstverständlich "Notfallmedikament mit Nebenwirkungen", die ärztlichen Beratung, abwägende Information und einen "informed consent" seitens der Anwenderinnen, auch bei reiner Apotheken-Beratung, erfordern.

Aber sowohl der BÄK-Präsident als auch der CDU-Mann Jens Spahn müssen sich ernsthaft fragen lassen, was sie denn s e l b s t für die bessere informationelle Selbstbestimmung der potenziellen Anwenderinnen getan haben. Dazu gehören neben Aufklärung, Sexualkunde, Biologie-Unterricht, Sicherstellung ärztlicher Erreichbarkeit rund um die Uhr, Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit Ratsuchenden in dieser speziellen Frage, auch eine gewisse Empathie u n d weltanschauliche Toleranz. D i e s e lassen aber insbesondere Parteien mit einem großen "C" in ihrem Namen und leider auch manche Ärzte, die unter der "Fuchtel" katholischer Krankenhausträger oder fundamentalistischer Ideologien stehen, schmerzlich vermissen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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