Ärzte Zeitung, 30.04.2014

Daten zeigen

Morbus Cushing endet nicht mit Op

Ob Morbus Cushing oder Akromegalie: Hypophysen-Op und Hormonsubstitution verhelfen Patienten nicht immer zu einer guten Lebensqualität.

WIESBADEN. Diabetes, Hypertonie, psychische Probleme enden nicht, wenn ein Morbus Cushing oder eine Akromegalie ursächlich behandelt wurde. Therapie der Wahl ist für beide die meist transsphenoidale Chirurgie der Hypophyse.

"Suchen Sie dazu ein High-Volume-Krankenhaus mit einem High-Volume-Chirurgen", empfahl Professor Alois Gessl von der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik Wien beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Daten aus Deutschland wie auch den USA zeigen klar die Assoziation von häufiger durchgeführten Eingriffen mit einem besseren Behandlungsergebnis und geringerer Mortalität. "Es muss nicht jeder Hypophysen operieren", mahnte Gessl.

Bei nach einem solchen Eingriff verbleibenden Symptomen oder wenn eine Operation nicht möglich ist, kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz.

Um die Lebensqualität zu verbessern und die Übersterblichkeit bei beiden Erkrankungen zu normalisieren, müssten aber auch die Komorbiditäten behandelt werden, sagte Gessl.

Symptome persistieren häufig

Bei Akromegalie bleiben Diabetes, Hypertension, Adipositas und die obstruktive Schlafapnoe oft erhalten und führen zu einer kardiovaskulären Exzessmortalität und auch zu psychiatrischen Problemen.

Die schlechteste Lebensqualität aller Patienten mit Hypophysenadenom haben nach Ansicht von Professor Günther K. Stalla, Leiter der Endokrinologischen Ambulanz des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, Patienten mit Morbus Cushing, auch noch lange Zeit nach Remission.

"Die Persönlichkeit ist durch die Erkrankung geprägt", sagte er. Die Patienten zeigen weniger Neugierverhalten, eine niedrige Extraversion, einen höheren Neurotizismus und mehr Zukunftsängste als andere Hypophysenadenom-Patienten und als gesunde Kontrollen.

Angst, Manie, Psychose und schwere Depression sind bei ihnen häufiger. "Im Verlauf verselbstständigen sich neuropsychiatrischen Störungen aber oft, die muss man behandeln", betonte Stalla.

Zunächst ist die Diagnose allerdings nicht unproblematisch: Die psychischen Störungen überlappen mit der Symptomatik der Grunderkrankung.

Test auf Hyperkortizismus ratsam

Die wird selbst häufig erst mit einigen Jahren Verzögerung erkannt. Professor Anton Luger von der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik Wien empfahl hausärztlich tätigen Allgemeinmedizinern und Internisten, bei Verdacht auf einen Morbus Cushing zumindest einen Test auf Hyperkortizismus durchzuführen, zum Beispiel durch die Bestimmung der Kortisolausscheidung im 24-Stundenharn.

Das sei relativ einfach möglich und man könne so viele Patienten frei sprechen. Bestätige sich hier ein erster Verdacht, sei der Fachmann gefragt. Bezüglich der Akromegalie sollte man neben den bekannten Zeichen mit Vergrößerung der Akren und maxillofazialen Problemen auch auf exzessives Schwitzen und Hitzeintoleranz, Arthralgien, Diabetes, Hypertonie, obstruktive Schlafapnoe oder Gewichtszunahme achten, empfahl Gessl.

Zur Erkennung neuropsychiatrischer Beeinträchtigungen empfiehlt Stalla den WHO-5-Fragebogen zum psychischen Wohlbefinden, den Patienten bereits im Wartezimmer ausfüllen können und der mit fünf Fragen Hinweise auf Veränderungen der Stimmungslage gibt. (fk)

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