Ärzte Zeitung, 06.11.2006

Hormone bleiben wichtige Option bei Hitzewallung

BERLIN (ner). Die Hormonersatztherapie bei Frauen in der Postmenopause ist auch nach einigen Hiobsbotschaften aus Studien der vergangenen Jahre nicht tabu. Die Indikation zur dieser Therapie wird inzwischen zwar strenger gestellt als früher, aber sie ist nach wie vor eine wichtige Option bei klimakterischen Beschwerden, sagt Professor Ludwig Kiesel.

Bis zu zwei Drittel aller Frauen zwischen 45 und 65 Jahren haben vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche, sagte Kiesel beim Jahreskongreß der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin.

Bei Frauen mit mäßigen bis schweren Symptomen sei die Hormonersatztherapie (HRT) wegen ihrer guten Wirksamkeit nach wie vor angezeigt. Dabei gehe der Trend allerdings eindeutig zu niedrig dosierten Präparaten, so der Gynäkologe aus Münster bei einer vom Unternehmen Wyeth unterstützten Veranstaltung. Und die Behandlung mit Hormonen sollte so kurz wie möglich sein.

Risiko für Knochenfrakturen ist verringert

Zur Erinnerung: In den vergangenen Jahren sind Studien, darunter auch die WHI (Women’s Health Initiative)-Studie, publiziert worden, wonach bei einer langfristigen HRT mit Östrogen und Gestagen das Risiko für Brustkrebs erhöht ist. Das Risiko für osteoporotische Frakturen ist allerdings reduziert.

Eine mögliche Alternative zur klassischen HRT mit Östrogen und Gestagen, besonders für Frauen mit einer Krebserkrankung in der Anamnese, sei zum Beispiel das synthetische Hormon Tibolon, sagte Kiesel. In Beobachtungsstudien sei mit dieser Substanz kein erhöhtes Brustkrebs- oder Brustkrebsrezidiv-Risiko festgestellt worden. In einer Langzeitstudie mit mehr als 3 100 Frauen werde das Mittel derzeit im Vergleich zu Placebo getestet. Vorläufige Ergebnisse bestätigten, daß es keine erhöhte Inzidenz für Mammakarzinome gebe.

Auch für die Phytotherapie mit Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) gibt es nach Angaben von Kiesel positive Studienresultate, was die Reduktion von vasomotorischen Symptomen und Schlafstörungen betrifft. Und: Es gebe damit keine Erhöhung der Brustgewebsdichte. Eine Reduktion von Hitzewallungen, und zwar um 30 bis 50 Prozent, sei auch mit Sojaprodukten zu erreichen, so der Gynäkologe. In Studien sei aber auch in den Placebo-Gruppen eine Minderung solcher Beschwerden um 10 bis 20 Prozent beobachtet worden.

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