Ärzte Zeitung online, 10.09.2009

S3-Leitlinie zur Hormontherapie in und nach den Wechseljahren veröffentlicht

BERLIN (eb). Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) ist die erste interdisziplinäre evidenzbasierte Leitlinie zur Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HT) entwickelt worden. Neben der DGGG arbeiteten 20 medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Verbände, Arbeitsgemeinschaften und Selbsthilfegruppen etwa zwei Jahre an der neuen Stufe-3 (S3)-Leitlinie.

Die Bewertung von Nutzen und Risiken der HT wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. "Um ein differenziertes ärztliches Beratungsgespräch führen zu können, sind hochwertige evidenzbasierte Leitlinien dringend erforderlich", sagte Professor Olaf Ortmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik Regensburg, auf einer von der DGGG einberufenen Pressekonferenz in Berlin. In Deutschland existieren derartige Leitlinien zur HT nicht und auch international seien diese nur vereinzelt vorhanden. Und das, obwohl die HT eine der am häufigsten durchgeführten Arzneimitteltherapien sei.

Die DGGG hat sich vor drei Jahren die Aufgabe gestellt, diesen Mangel zu beheben und den Gynäkologen Ortmann beauftragt, die Koordination der Entwicklung einer S3-Leitlinie zu übernehmen. "Die HT hat zweifelsfrei eine Reihe von Nutzen", so DGGG-Präsident Professor Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm. "Dennoch muss ihr Einsatz gründlich abgewogen werden, da die HT gesundheitliche Risiken bergen kann."

Leitlinie empfiehlt differenzierten Umgang durch fundierte Risikokommunikation

Zu Beginn der Leitlinienerstellung formulierten Experten relevante klinische Fragen zu Themen wie klimakterische Beschwerden, Trockenheit der Vagina (vulvovaginale Atrophie), Harninkontinenz, koronare Herzkrankheit, venöse Thromboembolie, Bewegungsapparat und Knochenstoffwechsel, Demenz oder Krebserkrankungen. Die Leitliniengruppe suchte dann nach Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien zur HT für mögliche Antworten und bewertete den Grad der Evidenz. Schließlich wurden Empfehlungen formuliert, die Ärzte zukünftig für den Entscheidungsprozess bei der Indikationsstellung einer HT heranziehen können.

Ein besonderes Anliegen der Leitliniengruppe war die Empfehlung zur Risikokommunikation: Die adäquate Bewertung von Nutzen und Risiken im ärztlichen Gespräch. "Dieser Teil der Leitlinie ist besonders beachtenswert, da Nutzen und Risiken unterschiedlich ausgeprägt sein können", betonte Ortmann. Ärzte müssen beispielsweise Frauen mit bereits bestehenden Erkrankungen anders beraten, als Gesunde. "Auf der Basis dieser Leitlinie ist eine individualisierte, umfassende Aufklärung möglich, sodass die Patientin gemeinsam mit ihrem Arzt zu einer Entscheidung kommen kann", so Ortmann.

Kurzfassung der S3-Leitlinie 2009 (PDF)

Langfassung der S3-Leitlinie 2009 (PDF)

Methodenreport der S3-Leitlinie 2009 (PDF)

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