Ärzte Zeitung online, 24.09.2010

Neue Hinweise: Weniger Hormone, weniger Brustkrebs

TORONTO (ikr). Weniger Hormone, weniger Brustkrebs. Eine aktuelle kanadische Studie liefert neue Hinweise auf einen solchen Zusammenhang. Sie nährt aber auch die Vermutung, dass Hormone keinen Krebs auslösen, sondern lediglich das Wachstum beschleunigen.

Neue Hinweise: Weniger Hormone, weniger Brustkrebs

Brustkrebs durch Hormone? Neue Daten zeigen, dass mit einer sinkenden Zahl von Hormonersatztherapien auch die Rate der invasiven Mammakarzinome sinkt.

© Uwe Grötzner / fotolia.com

Kanadische Forscher haben die Daten zu Verordnungen einer Hormonersatztherapie (HRT) zwischen 1996 und 2006 analysiert und außerdem Frauen zur Einnahme von HRT-Präparaten befragt (J Natl Cancer Inst online). Außerdem haben sie die Brustkrebs-Inzidenz in diesem Zeitraum eruiert.

Dabei stellte sich heraus, dass die Einnahme von HRT-Präparaten und auch die Verordnungen zwischen 2002 und 2004 stark zurückgegangen waren. Die Forscher führen dies vor allem auf die Veröffentlichung der WHI (Women's Health Initiative)-Studie zurück. In der US-Studie sollten gesunde Frauen in der Postmenopause 8,5 Jahre lang täglich ein Östrogen-Gestagen-Präparat oder Placebo einnehmen (JAMA 2020; 288: 321). Nach nur fünf Jahren wurde die Studie vorzeitig beendet, weil die Rate der kardiovaskulären Ereignisse mit HRT um 29 Prozent höher war als mit Placebo und außerdem die Brustkrebsrate mit HRT um 26 Prozent erhöht war.

In der aktuellen kanadische Studie sank der Gebrauch an Östrogen-Gestagen-Präparaten bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren von knapp 13 Prozent im Jahr 2002 auf nur noch rund fünf Prozent im Jahr 2004. Und genau in diesem Zeitraum und in dieser Altersgruppe reduzierte sich auch die Rate der invasiven Mammakarzinome um nahezu zehn Prozent. Die Rate der Frauen, die zur Mammografie gingen, war jedoch in etwa gleich geblieben.

Die kanadischen Studiendaten bestätigen die Ergebnisse aus anderen Ländern. Dazu gehört auch Deutschland mit Daten aus den Krebsregistern des Saarlandes und Schleswig-Holsteins (Geburtsh Frauenheilk 2007; 67: 1217). So wurden 2003 im Saarland 114 invasive Mamma-Karzinome pro 100 000 Frauen gemeldet, 2005 nur noch 101. In Schleswig-Holstein waren es im Jahre 2003 noch 138 und 2005 nur 119 Fälle pro 100 000. Die Inzidenz sank somit im Saarland um 9,5 und in Schleswig-Holstein um 14 Prozent. Bei den Frauen zwischen 50 und 69 Jahren waren es sogar jeweils knapp 19 Prozent. Der jährliche Rückgang betrug insgesamt 5,7 bis 6,8 Prozent. Das entspricht in etwa der aus den USA berichteten Reduktion der Brustkrebsinzidenz um 6,7 Prozent (NEJM 2007; 356: 1670).

Ab dem Jahre 2005 stieg die Brustkrebsrate bei den 50- bis 69-jährigen Frauen in Kanada jedoch wieder an. Für die kanadischen Forscher könnte das möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass Hormone zwar keinen Krebs auslösen, aber das Wachstum bereits bestehender Tumoren beschleunigen können. Offenbar wurden bereits bestehende, aber noch unentdeckte kleine Mammakarzinome aufgrund des reduzierten Hormonverbrauchs häufig erst einige Zeit später diagnostiziert.

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