Ärzte Zeitung online, 03.02.2011

Mehr Brustkrebs nach frühem Start der Hormonersatztherapie

OXFORD (ikr). Das Brustkrebsrisiko unter einer Hormonersatztherapie wird offenbar nicht nur durch Dauer und Art der Behandlung bestimmt. Maßgebend hierfür ist einer aktuellen Studie zufolge auch der Zeitpunkt des Therapiebeginns.

Mehr Brustkrebs nach frühem Start der Hormonersatztherapie

Früher Start der HRT: Dann steigt offenbar das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

© martinlee / fotolia.com

Die Auswertung neuer Daten aus der Million Women Study bestätigt drei Erkenntnisse, die bereits in der Women‘s Health Study (WHI-Studie) gewonnen wurden: Das Brustkrebsrisiko nimmt mit der Dauer der Hormonersatztherapie (HRT) zu und mit dem Absetzen der Hormone wieder ab.

Und bei einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie ist das Risiko für ein Mammakarzinom höher als bei einer Östrogen-Monotherapie. Eine neue Erkenntnis hat nun die Million Women Study erbracht (J Natl Cancer Inst 2011; 103: 1).

Frauen, die gleich zu Beginn der Menopause mit der HRT loslegen, haben ein signifikant höheres Brustkrebsrisiko als Frauen, die damit noch mindestens fünf Jahre warten.

Britische Forscher haben mehr als eine Million Frauen in der Postmenopause unter anderem nach der Einnahme von Hormonen befragt und die Inzidenz der Mammakarzinome ermittelt. Dabei stellte sich heraus: In 4,05 Millionen Frauenjahren wurden 15.759 Mammakarzinome diagnostiziert.

Mehr als 7000 davon traten bei Frauen auf, die aktuell Hormone einnahmen. Aus den vorhanden Studiendaten haben die Forscher errechnet: Bei Frauen unter kombinierter HRT ist die Brustkrebsrate im Vergleich zu Frauen, die nie Hormone angewendet haben, verdoppelt.

Und bei Frauen mit Östrogen-Monotherapie ist die Rate um 38 Prozent erhöht. Ein paar Jahre nach Absetzen der HRT ging die Brustkrebsrate wieder auf das Ausgangsniveau zurück.

Als bedeutsam hat sich erneut erwiesen, wie lange die HRT dauert. Eine kombinierte HRT von weniger als fünf Jahren erhöht das Brustkrebsrisiko um relative 62 Prozent und bei mehr als fünfjähriger Dauer um das Zweifache.

Mit Östrogen-Monotherapie ist das relative Brustkrebsrisiko bei weniger als fünfjähriger Dauer um 24 Prozent erhöht und bei längerer Anwendung um 44 Prozent.

Relevant ist offenbar auch der Zeitpunkt des HRT-Beginns: Eine kombinierte HRT verdoppelt das relative Brustkrebsrisiko, wenn die Menopause beim Start der Hormoneinnahme weniger als fünf Jahre zurückliegt.

Beginnt die HRT später, ist das Risiko um 53 Prozent erhöht. Unter Östrogen-Monotherapie ist das Brustkrebsrisiko bei frühem Therapiebeginn um 43 Prozent erhöht, und bei späterem Einstieg kaum.

Unter Berücksichtigung von Dauer der HRT und Zeitpunkt des Starts ergab die aktuelle Analyse: Unter einer kombinierten HRT, die nicht länger als fünf Jahre dauert, aber innerhalb der ersten Jahre nach der Menopause begonnen wird, erhöht sich das Brustkrebsrisiko um 76 Prozent.

Wird sie später begonnen, beträgt die Risikoerhöhung nur 34 Prozent. Wird länger als fünf Jahre behandelt und schon bald nach der Menopause gestartet, ist das Brustkrebsrisiko mehr als verdoppelt und bei spätem Start um 65 Prozent erhöht.

Am besten schneiden nach der neuen Studie Frauen ab, die eine Östrogen-Monotherapie frühestens fünf Jahre nach der Menopause, und zwar nicht länger als fünf Jahre erhalten. Bei ihnen ist das Brustkrebsrisiko sogar leicht reduziert im Vergleich zu Frauen, die nie Hormone genommen haben.

Wird eine Östrogen-Monotherapie spät gestartet, aber nicht länger als fünf Jahre, beträgt die Risikoerhöhung 31 Prozent. Bei längerfristiger HRT und spätem Start ist das Brustkrebsrisiko kaum und bei frühem Start um 36 Prozent erhöht.

Die neuen Studiendaten sind beunruhigend. Sie bestätigen im wesentlichen die Ergebnisse der großen randomisierten, placebo-kontrollierten WHI-Studie zum Brustkrebsrisiko unter HRT.

Darüber hinaus liefern sie eine weitere Hiobsbotschaft: Bei frühem Start der HRT ist das Brustkrebsrisiko anscheinend deutlich höher als bei einem wie in der WHI-Studie späten Behandlungsbeginn.

Die meisten Frauen benötigen die HRT aber gerade zu Beginn der Menopause aufgrund ihrer klimakterischen Beschwerden. Bei vielen der Betroffenen ist ein Aufschub der HRT somit wohl kaum möglich, sofern alternative Methoden nicht genügen.

Wenig tröstlich dürfte für viele Patientinnen auch die erneute Feststellung sein, dass das Brustkrebsrisiko unter einer Östrogen-Monotherapie geringer ist als unter eine Kombitherapie - unabhängig von Therapiebeginn und Dauer der Behandlung. Denn die meisten Frauen benötigen eine Östrogen-Gestagen-Therapie zum Schutz des Endometriums.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »