Ärzte Zeitung online, 06.02.2014

Risikofaktor

Mehr Pankreatitiden nach HRT

In West- und Mitteleuropa sind vielfach Gallensteine oder exzessiver Alkoholkonsum für eine akute Pankreatitis verantwortlich. Ein Risikofaktor scheint aber auch die Hormontherapie in den Wechseljahren zu sein.

Mehr Pankreatitiden nach HRT

Fibrotische Knötchen einer chronischen Pankreatitis: Schwedische Forscher wollen nun einen Zusammenhang zwischen der HRT und akuter Pankreatitis gefunden haben.

© Davorin Wagner / Chirurgie im Bild

STOCKHOLM. Der Verdacht, mit der Einnahme von Sexualhormonen könnte für Frauen das Risiko einer akuten Pankreatitis steigen, stand aufgrund mehrerer Fallberichte schon länger im Raum. Nun hat sich ein solcher Zusammenhang für die Hormonersatztherapie (HRT) in einer prospektiven Studie aus Schweden bestätigt.

Demnach stieg das Risiko für HRT-Anwenderinnen um das Eineinhalbfache im Vergleich zu Frauen, die keine Hormone wegen ihrer Wechseljahresbeschwerden eingenommen hatten.

Viktor Oskarsson vom Karolinska-Institut in Stockholm und seine Kollegen werteten die Daten von 31.494 postmenopausalen Frauen einer schwedischen Mammografie-Kohortenstudie aus. Die Frauen waren zwischen 48 und 83 Jahren alt und wurden bei Untersuchungsbeginn im Jahr 1997 auch nach einer eventuellen Hormoneinnahme gefragt.

Das schwedische nationale Patientenregister lieferte die Zahlen, wie viele Frauen zwischen 1997 und 2001 an einer akuten Pankreatitis erkrankt sind (CMAJ 2014; online 27. Januar).

Während einer Beobachtungszeit von insgesamt 389.456 Personenjahren traten 237 Fälle einer akuten Pankreatitis auf. Die altersstandardisierte Inzidenzrate betrug 71 Fälle pro 100.000 Personenjahre für HRT-Nutzerinnen und 52 Fälle pro 100.000 Personenjahre für Nicht-Anwenderinnen.

Im Vergleich zu den Nicht-Anwenderinnen war das relative Risiko einer akuten Pankreatitis bei HRT-Anwenderinnen etwa 1,6-fach höher (RR 1,57). Dabei waren eine Pankreatitis beeinflussende Faktoren wie etwa der Rauchstatus, Übergewicht, Taillenumfang und Alkoholkonsum bereits berücksichtigt worden.

Wie lange die Hormoneinnahme zurücklag, spielte für das Risiko keine Rolle, die Dauer und die Art der Hormoneinnahme schon. Bei einer systemischen Einnahme stieg das relative Risiko auf 1,92. Bei einer Therapiedauer über zehn Jahre lag es bei 1,87.

Eine Hormonersatztherapie ist mit einem erhöhten Risiko einer akuten Pankreatitis assoziiert, schließen die Studienautoren. Nun müsse die Bedeutung von Wirkstoffen, Dosierungen und Art der Einnahme für die Risikosteigerung näher untersucht werden.

Oskarsson und Kollegen fordern, falls sich die Ergebnisse bestätigen, künftig Frauen vor jeder Verschreibung einer HRT auch über das höhere Pankreatitisrisiko aufzuklären. (dk)

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