Ärzte Zeitung, 22.07.2004

Vor Kontrastmittel-Untersuchungen sollte die Schilddrüse gecheckt sein

Jodhaltiges Kontrastmittel kann Hyperthyreose und thyreotoxische Krisen auslösen

MÜNCHEN (wst). Jede zweite neu auftretende Hyperthyreose in Deutschland wird durch jodhaltige Röntgenkontrastmittel (KM), etwa bei Koronarangio- oder Computertomographien, ausgelöst. Besonders bei älteren Menschen, bei denen die Prävalenz autonomer Schilddrüsenknoten erhöht ist, sollte vor KM-Untersuchungen nach einer subklinischen oder manifesten Hyperthyreose gefahndet werden.

Vor Untersuchungen mit jodhaltigem Kontrastmittel, etwa einer Computertomographie, sollte bei Älteren eine Hyperthyreose ausgeschlossen sein. Foto: Klaro

Bei jungen euthyreoten Patienten beträgt das Risiko, durch KM eine Hyperthyreose auszulösen, unter 0,5 Prozent. Mit zunehmendem Alter und damit verbundener steigender Prävalenz knotiger Schilddrüsenveränderungen nimmt dieses Risiko jedoch erheblich zu. Darauf hat Professor Klaus-Dieter Palitzsch vom Krankenhaus München-Neuperlach auf dem von Merck KGaA unterstützten 2. Münchener Schilddrüsensymposium hingewiesen.

In einer australischen Pilotuntersuchung etwa wurde bei sieben von 28 Patienten im Alter zwischen 70 und 96 Jahren im Anschluß an eine KM-Exposition eine neu manifestierte Hyperthyreose diagnostiziert. Die Rate betrug damit 25 Prozent.

Nach Hochrechnungen verursacht in Deutschland jodhaltiges KM 50 Prozent aller neu auftretenden Hyperthyreosen, sagte Palitzsch. Das Problem werde aber auch deshalb unterschätzt, weil sich KM-induzierte Hyperthyreosen oft verzögert entwickeln und deshalb nicht selten erst Monate nach einer KM-Untersuchung diagnostiziert werden. Der kausale Zusammenhang gerät damit vielfach aus dem Blick.

Um das Risiko einer KM-induzierten Hyperthyreose zu reduzieren, empfiehlt Palitzsch, vor jeder geplanten Untersuchung mit jodhaltigem KM die Schilddrüse zu sonographieren und TSH zu bestimmen. Bei pathologischen Ergebnissen müsse eine weitergehende Diagnostik inklusive Szintigraphie veranlaßt werden.

Bei Knotenstruma und szintigraphisch nachgewiesener Autonomie müssen Patienten mit noch subklinischer Hyperthyreose eine Prophylaxe mit Thyreostatika erhalten, wenn eine KM-Untersuchung erforderlich ist. Palitzsch riet zu folgendem Schema: spätestens zwei bis vier Stunden vor einer KM-Injektion und dann 14 Tage lang täglich dreimal 20 Tropfen Perchlorat. Diese thyreostatische Prophylaxe kann mit zusätzlich täglich 20 mg Thiamazol (etwa Thyrozol®) intensiviert werden.

Bei nachgewiesener Autonomie und bereits manifester Hyperthyreose sollten Patienten 14 Tage täglich dreimal 20 Tropfen Perchlorat bekommen, beginnend spätestens zwei bis vier Stunden vor der KM-Applikation. Zusätzlich sollen täglich 20 bis 80 mg Thiamazol verordnet werden, und zwar so lange, bis der TSH-Wert wieder normal ist.

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