Ärzte Zeitung, 03.11.2005

Bei Knotenstruma ist Kombitherapie Option, bei Autonomie Radiojod

Jodmangel ist nicht nur Ursache von Kröpfen, sondern auch von Schilddrüsen-Knoten

HEIDELBERG (hbr). Der Jodmangel der Vergangenheit wirkt nach: Kröpfe und Knoten gibt es nach wie vor, vor allem bei alten Menschen. Nach Schilddrüsen-Knoten sollte man gezielt suchen, etwa mit Ultraschall, denn ein TSH-Screening reicht nicht. Bei benigner Struma nodosa kommt eine medikamentöse Kombitherapie in Betracht.

Schilddrüsen-Sonographie bei einem jungen Mann. Besonders bei jungen Menschen mit schnell wachsenden Einzelknoten besteht Krebsverdacht. Foto: Klaro

Die Jodversorgung in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten immer besser geworden. Das ist gut so: Schließlich animiert Jodmangel die Schilddrüse zur Kropfbildung. Und je länger der Mangel besteht, um so eher bilden sich Knoten. Knoten sind also eine Folge der langjährigen Unterversorgung mit Jod, wie Privatdozent Joachim Feldkamp aus Bielefeld betont.

Deshalb haben alte Menschen häufiger Knoten und Strumen als junge Menschen. Jüngere leben meist schon von Kindheit an mit einer ausreichenden Jodversorgung; da entstehen Knoten seltener.

Das ergibt sich, wie berichtet, aus den Daten der Schilddrüsenerhebung Papillon 1: Danach hatte jede neunte Frau um 20 Jahre Schilddrüsen-Knoten (Männer: acht Prozent); bei den 46- bis 65jährigen Frauen waren es schon 40 Prozent (Männer: 28 Prozent).

Eine Bestimmung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) genügt für ein Knoten-screening nicht. Denn die meisten Menschen mit Schilddrüsen-Knoten haben normale TSH-Werte und weder eine Über- noch Unterfunktion. Feldkamp plädierte bei einer Veranstaltung beim Henning-Symposium "Schilddrüse 2005" in Heidelberg dafür, das Abtasten der Schilddrüse nicht zu vergessen. Damit kann man schon einen Teil der Knoten finden.

Ganz wichtig für die Knotensuche ist natürlich auch Ultraschall.

Für Strumen mit gutartigen Knoten ohne Autonomie ist eine Kombitherapie aus Jodid und L-Thyroxin am besten, so der Endokrinologe bei dem Symposium, zu dem Sanofi-Aventis eingeladen hatte. Das Jodid beendet den Jodmangel, der zur Hyperplasie führt.

Das Schilddrüsenhormon bremst die Hypertrophie des Gewebes. Eine Kombination aus 150 µg Jodid mit verschiedenen L-Thyroxin-Dosierungen gibt es zum Beispiel als Thyronajod® Henning. Eine reine Jodidtherapie ist eine Option für junge Menschen mit nur leicht vergrößerter Schilddrüse.

Anders sieht es aus, wenn die Knoten autonom sind und zur Überfunktion führen. Bei einem TSH unter 0,1 mU/l ist das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöht. Deshalb sollte definitiv behandelt werden, die Knoten also zerstört oder entfernt werden.

Bei kleinen Schilddrüsen ohne malignomverdächtige Knoten ist die Radiojodtherapie Option, bei großen Drüsen die Operation, so Feldkamp. Will ein Betroffener die Operation noch etwas hinausschieben ("Ich hab' zu viel zu tun!"), kommt eventuell eine überbrückende Therapie mit Thyreostatika in Betracht.

Bei den kalten Knoten sind fünf bis 15 Prozent bösartig. Besonders hoch ist das Malignomrisiko bei jungen Patienten, vor allem Männern mit rasch wachsendem Einzelknoten.

Ein erhöhter Kalzitoninspiegel weist auf ein medulläres Schilddrüsen-Karzinom hin. Bei 25 Prozent der Patienten ist der Krebs genetisch bedingt, so Feldkamp. Die Angehörigen Betroffener sollten deshalb auch untersucht werden.

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