Ärzte Zeitung, 07.07.2006

Jod in der Kindheit schützt vor Knoten im Alter

Autonome Schilddrüsenknoten sind Folge chronischen Jodmangels / Spezialist empfiehlt Substitution bei Kindern

BADEN-BADEN (hbr). In Deutschland gibt es noch einen milden Jod-Mangel. Er sollte schon bei Kindern ausgeglichen werden, um Spätfolgen eines Jodmangels wie autonomen Knoten vorbeugen. Spezialisten-Tip: Kinder sollten täglich 100 µg Jodid vor und 200 µg in der Pubertät als Tablette erhalten.

Die Jod-Versorgung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Trotzdem gibt es insgesamt noch einen milden Jodmangel. Die Verwendung von jodiertem Speisesalz allein reicht nicht, um den Mangel auszugleichen.

"Das bringt vielleicht 5 bis 10 µg Jodid zusätzlich am Tag und ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", so der Endokrinologe Professor Otto Albrecht Müller vom Rotkreuz-Krankenhaus in München. Zudem gehe der Salzverbrauch zurück.

Ein Ausgleich des milden Joddefizits ist schon bei Kindern sinnvoll, sagte der Endokrinologe auf dem MedCongress in Baden-Baden. Dafür genügt die Einnahme von 100 µg Jodid am Tag. Ab der Pubertät sollten es täglich 200 µg sein. Das gelte auch für Kinder aus Familien mit Autoimmunthyreoditis - es sei denn, die Kinder haben Auffälligkeiten wie eine vergrößerte Schilddrüse. Dann seien zuvor Schilddrüsen-Untersuchungen sinnvoll.

Müttern, die vor dem Gedanken zurückschrecken, daß ihr Kind "jeden Tag ein Medikament" braucht, müsse die Bedeutung von Jodid klargemacht werden: Die Pille sei in diesem Fall kein Medikament, sondern ein Nahrungszusatz.

Und: Die Schilddrüse braucht das essentielle Spurenelement für ihre normale Funktion, so der Spezialist. Soll das Kind nicht jeden Tag eine Pille schlucken, kommt auch die einmal wöchentliche Einnahme von 1500 µg in Betracht. Das biete eine gute Versorgungsbasis, auch wenn davon insgesamt weniger verwertet als bei täglicher Einnahme von 200 µg.

Eine gute Jod-Versorgung dient auch der Prävention von Schilddrüsen-Veränderungen. Jodmangel regt bekanntlich die Drüse zu stärkerer Aktivität an. Das kann zur Bildung von heißen Knoten führen: "Wir sehen Autonomien in der Regel bei älteren Patienten", sagte Müller. Und: "Die Autonomie ist eine Folgeerscheinung des Jodmangels."

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