Ärzte Zeitung, 04.09.2006

Kalter Knoten über 1 cm - dann ist eine Biopsie nötig

Bei Schilddrüsenknoten unter 5 mm Durchmesser reicht eine Sonographie alle 12 bis 24 Monate aus / Operation auch bei unklarem Befund

MÜNCHEN (wst). 80 Prozent aller zufällig oder bei einem Screening entdeckten Schilddrüsenknoten sind hypofunktionelle, also kalte Knoten. Solche Knoten können maligne sein. Betroffene sollten spätestens dann eine Feinnadel-Biopsie zum Karzinomausschluß erhalten, wenn ein kalter Knoten einen Durchmesser von über 1 cm hat.

Ein Kollege sonographiert die Schilddrüse eines jungen Mannes und kontrolliert dabei die Größe von Knoten. Foto: Klaro

Findet man sonographisch einen Knoten und ist das Serum-TSH im Normbereich, ist das ein Hinweis auf einen kalten Knoten. Beweisend ist die Szintigraphie. Daran erinnerte Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Klinikum München-Bogenhausen beim 4. Münchener Schilddrüsen-Symposium.

Professor Petra-Maria Schumm-Draeger: Bei günstigem sonographischen Befund genügt eine Verlaufskontrolle alle sechs Monate. Foto: privat

Ab einem Knotendurchmesser von 1 cm kann szintigraphisch klar zwischen einem heißen Knoten, in dem sich die Radionuklide verstärkt anreichern, und einem kalten Knoten mit fehlender oder im Vergleich zum übrigen Schilddrüsengewebe reduzierten Anreicherung unterschieden werden.

Bösartige Schilddrüsenknoten sind überwiegend echoarm

Wichtige Hinweise auf die Dignität bekommt man sonographisch: Bösartige Schilddrüsenknoten sind überwiegend echoarm, enthalten besonders zentral oft verkalkte Herde, sind eher unregelmäßig begrenzt und hyperperfundiert. Gekapselte Knoten mit echodichter Struktur sind eher gutartig.

Knoten-Punktionen sollten nur erfahrene Untersucher machen

Bei günstigem sonographischen Befund genügt gemäß den aktuellen Diagnostik-Empfehlungen der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie eine Verlaufskontrolle alle sechs Monate. Bei suspektem Ultraschallbefund ist eine sonographisch kontrollierte Feinnadelpunktion durch einen erfahrenen Untersucher angezeigt. Bei kalten Knoten mit einem Durchmesser von über 1 cm muß man rasch ein Schilddrüsenkarzinom ausschließen, so die Expertin auf der von Merck Pharma unterstützten Veranstaltung.

Erbringt bereits die erste Feinnadelpunktion Hinweise auf ein Malignom, wird operiert. Auch wenn nach einem unklaren Ergebnis der ersten Punktion das Ergebnis einer zweiten Punktion diagnostisch zweifelhaft ist, rät Schumm-Draeger zur Operation. Bei eindeutig unauffälligem Ergebnis der Feinnadelpunktion darf sechs Monate für eine Verlaufskontrolle gewartet werden.

Hohe Calcitonin-Spiegel sind eine Operationsindikation

Um bei kalten Knoten auch ein medulläres Schilddrüsenkarzinom auszuschließen, sollte das Serum-Calcitonin bestimmt werden. Bei positiver Familienanamnese für ein medulläres Schilddrüsenkarzinom oder für multiple endokrine Neoplasien sowie bei Kindern und Jugendlichen mit kalten Knoten ist diese Untersuchung ein Muß, so Schumm-Draeger. Eindeutig erhöhte Calcitonin-Spiegel sind eine Operationsindikation.

Und wie verhält man sich bei Knoten bis 1 cm? Bei Knoten mit einen Durchmesser von weniger als 5 mm reicht eine Sonographie alle 12 bis 24 Monate aus, so Schumm-Draeger. Bei 5 bis 10 mm Knotendurchmesser wird eine Sonographie alle sechs Monate empfohlen.

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin zur Schilddrüsendiagnostik: www.nuklearmedizin.de/publikationen/leitlinien/schild_diagn.php.

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