Ärzte Zeitung, 21.02.2007

Senkt Kalzimimetikum auch kardiovaskuläres Risiko?

Studie bei Dialysepatienten mit Hyperparathyreoidismus

BARCELONA (grue). Chronisch nierenkranke Patienten haben oft einen sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT). Der überschießenden Produktion von Parathormon wirkt ein Kalzimimetikum entgegen. Ob damit auch das kardiovaskuläre Risiko sinkt, wird derzeit in einer Studie geprüft.

Zur Behandlung von Patienten mit sHPT steht das Kalzimimetikum Cinacalcet (Mimpara®) zur Verfügung. Die Substanz bindet an Kalzium-sensible Rezeptoren in der Nebenschilddrüse und verhindert damit die übermäßige Ausschüttung von Parathormon. Zudem wird so der Kalzium-Phosphat-Haushalt reguliert, was mit konventionellen sHPT-Therapien meist nicht gelingt. Das Medikament wirkt unabhängig davon, wie schwer die Patienten erkrankt sind, seit wann die Patienten eine Dialyse brauchen und wie viel Vitamin D oder Phosphatbinder sie einnehmen.

Der Effekt von Cinacalcet auf das kardiovaskuläre Risiko wird in der kontrollierten Endpunktstudie EVOLVE geprüft. Das Akronym steht für "Evaluation of Cinacalcet therapy to lower cardiovascular events". An dieser Multicenter-Studie sollen insgesamt 3800 Dialyse-Patienten mit sHPT teilnehmen. Sie haben wegen der Überfunktion der Nebenschilddrüse ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, denn die vom Parathormon angestoßene massive Kalziumfreisetzung führt zur Gefäßverkalkung.

In der Studie erhalten die Patienten eine Langzeittherapie

Geprüft wird in der Endpunktstudie, ob eine Langzeit-Therapie mit Cinacalcet das Risiko für kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität im Vergleich zu Placebo reduziert. Die auf eine Dauer von etwa vier Jahren angelegte Studie hat als primären Endpunkt die Zahl der Myokardinfarkte, Ischämien, Herzinsuffizienzen und Schlaganfälle.

Wie William Sheridan vom Unternehmen Amgen auf einer Veranstaltung in Barcelona berichtete, wird das seit zwei Jahren in Deutschland zugelassene Cinacalcet noch weiter in klinischen Studien geprüft. Eine davon ist eine Anwendungsbeobachtung bei Patienten, die während einer Hämo- oder Peritonealdialyse eine sHPT entwickelt haben. An der Langzeituntersuchung zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Cinacalcet sollen 1800 Patienten teilnehmen, so Sheridan auf der von dem Unternehmen organisierten Fortbildungs-Veranstaltung.

STICHWORT

sHPT

Bekanntlich steuern die Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen) durch Synthese und Sekretion von Parathormon Knochenstoffwechsel und Kalzium-Phosphat-Serumkonzentrationen. Beim sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) sind die Nebenschilddrüsen reaktiv vergrößert und produzieren übermäßig Parathormon. Ursache der reaktiven Vergrößerung ist etwa eine Hyperphosphatämie bei Niereninsuffizienz oder eine Hypokalziämie, etwa bei Malabsorption.
(eb)

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