Ärzte Zeitung, 23.04.2007

Palpation der Schilddrüse - das ist das Motto in dieser Woche

Screening-Methode ist einfach, schnell und effektiv / Schilddrüsenwoche 2007 lenkt Blick auf Tastuntersuchung

Auch in diesem Jahr steht eine Woche lang wieder die Schilddrüse im Mittelpunkt - ab heute bis zum 27. April. In vielen Praxen wird in der Schilddrüsenwoche Papillon 2007 Patienten wieder eine Tastuntersuchung der Schilddrüse angeboten. Außerdem werden prospektiv Daten erhoben, wie Patienten nach einer Schilddrüsen-Operation behandelt werden.

Eine der wichtigsten, auf jeden Fall aber die einfachste Schilddrüsen-Untersuchung ist die Palpation. Die Palpation steht in diesem Jahr nach 2006 zum zweiten Mal bundesweit eine Woche lang im Mittelpunkt der Schilddrüsenwoche. Wieder nehmen etwa 10 000 Praxen teil. Sichtbares Zeichen ist der bunte Schmetterling, der die Aufmerksamkeit auf die Schilddrüse lenken soll. Er schmückt Praxisposter, Broschüren und Faltblätter, aber auch T-Shirts, Halstücher, Fenster und Blumentöpfe.

Die Tastuntersuchung der Schilddrüse ist gut geeignet, um morphologische Veränderungen zu finden. Das wurde mit einer prospektiven Studie bei der Schilddrüsenwoche 2006 belegt. An der Studie nahmen 80 Ärzte teil. Insgesamt 865 Patienten wurden zusätzlich zur Palpation sonografiert.

Bei Strumen ist die Palpation fast so sicher wie Ultraschall

Das erfreuliche Ergebnis dieser Studie präsentierte Professor Christoph Reiners aus Würzburg jetzt bei einem von Sanofi-Aventis ausgerichteten Symposium in Falkenstein: Die Übereinstimmung zwischen Palpation und Sonografie bei der Schilddrüsengröße betrug insgesamt 86 Prozent. Sonografisch hatten knapp 42 Prozent der Frauen und 37 Prozent der Männer eine Struma (Schilddrüsen-Volumen über 18 ml bei Frauen und über 25 ml bei Männern).

Auch größere Knoten können gut ertastet werden

Zwar ist die Sonografie bei der Diagnose von Knoten der Palpation zum Teil überlegen. Denn nur jeder dritte Knoten mit einem Durchmesser um 10 mm wurde beim Abtasten entdeckt. Bei Knoten mit einem Durchmesser über 20 mm waren es aber schon knapp 70 Prozent; und bei über 30 mm wurden fast alle Knoten getastet. Die Übereinstimmung zwischen Palpation und Sonografie bei der Diagnose von Knoten betrug insgesamt 72 Prozent.

Wie wird die Schilddrüse am besten getastet, von vorn oder von hinten? Das scheint unentschieden: Auch Spezialisten tasten so, wie sie es in der klinischen Ausbildung gelernt haben. Aber egal ob von vorn oder von hinten: Mit einigen Tricks kann man die Treffsicherheit bei der Palpation noch erhöhen. Ein Tipp von Professor Rainer Hehrmann aus Stuttgart: Der Patient wird gebeten, den Hals zu strecken und den Kopf leicht nach hinten zu neigen. Lässt man die Patienten noch schlucken, kommt die Schilddrüse hoch. So hat man durchaus auch bei gedrungenen Hälsen noch eine Chance, die Schilddrüse zu tasten.

Schilddrüsen-Palpation macht bei jedem Patienten Sinn

Bei welchen Patienten ist eine Schilddrüsenpalpation sinnvoll, und wie häufig sollte palpiert werden? Dr. Diethard Sturm aus Hohenstein-Ernstthal empfiehlt, bei der Jugenduntersuchung J1 immer die Schilddrüse zu palpieren. Auch bei Gelegenheitskonsultationen sollte grundsätzlich eine Palpation gemacht werden, ebenso beim Check-up ab 35. Falls es keine Besonderheiten gibt, empfiehlt Sturm bis zum 35. Lebensjahr Palpationen alle 5 Jahre. Ab dem 36. Lebensjahr sollte - unauffällige Befunde vorausgesetzt - alle 2 Jahre die Schilddrüse abgetastet werden.

Die Schilddrüsenwoche 2007 ist eine Aktion der Schilddrüsen-Initiative Papillon. Partner sind der Arbeitskreis Jodmangel, die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, das Forum Schilddrüse und Sanofi-Aventis. Medienpartner ist die "Ärzte Zeitung". (gwa)

Struma-Grade nach WHO-Einteilung

Nach WHO-Definition gibt es je nach Sicht- und Tastbefund vier Struma-Grade von 0 bis 3:

  • Struma Grad 0: Die Schilddrüse ist weder tast- noch sichtbar. Grad 0 wird demnach sonografisch festgestellt. Bei Frauen wird eine Struma ab einem Schilddrüsen-Volumen von über 18 ml diagnostiziert, bei Männern über 25 ml.
  • Struma Grad 1: Eine Vergrößerung ist tastbar, fällt aber beim Blick auf den Hals nicht auf.
  • Struma Grad 2: Die Drüsenvergrößerung ist sicht- und tastbar.
  • Struma Grad 3: Die Struma ist sogar von hinten sichtbar. Solche Riesenstrumen sieht man bei uns aber nur noch sehr selten. (gwa) 

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