Ärzte Zeitung, 03.05.2007

Wer Strumen früh erkennt, kann Patienten die Op ersparen

Schilddrüsen-Operationen sind in Deutschland viel häufiger als in anderen EU-Ländern / Je jünger ein Patient, desto besser wirken Medikamente

WÖRNBRUNN (sto). Mehr als 100 000 Schilddrüsenoperationen pro Jahr werden in Deutschland gemacht. Diese Rate ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sechs bis acht Mal höher.

Durch Früherkennung von Schilddrüsenkrankheiten und Therapie ließe sich nach Überzeugung von Spezialisten ein Großteil dieser Operationen vermeiden. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", so Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Städtischen Klinikum Bogenhausen. Deshalb gibt es die Initiative Papillon - dazu gehört auch die Schilddrüsenwoche, an der Ende April bundesweit 10 000 Praxen teilnahmen. Alle an der Initiative Beteiligten wollen das Bewusstsein für Schilddrüsen-Erkrankungen in Deutschland erhöhen und Prävention und Früherkennung fördern.

Ganz im Vordergrund steht die Struma. Sie ist unter den Schilddrüsenerkrankungen die mit Abstand häufigste, betonte Schumm-Draeger bei den Grünwalder Gesprächen, die von Sanofi-Aventis unterstützt wurden. Nach aktuellen Untersuchungen haben 20 bis 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland eine Schilddrüsenvergrößerung mit oder ohne Knotenbildung. Zur Struma-Erkennung reichen einfache Untersuchungsverfahren. Dazu gehören etwa die Anamnese der Beschwerden, der Sicht- und Tastbefund, aber auch Ultraschall der Schilddrüse.

Für die medikamentöse Therapie bei Struma wird meist mit der Kombination von Jodid und Levothyroxin (als Fixkombi etwa Thyronajod®) behandelt. Ziel sind niedrig-normale TSH-Wert zwischen 0,3 und 1,2 mU / l. Die Behandlung ist um so wirksamer, je jünger ein Patient ist; wenn noch kein knotiger Umbau stattgefunden hat und es noch keine regressiven Veränderungen wie Verkalkungen und Zystenbildungen gibt. Findet man bei Palpation oder im Ultraschall einen Knoten, hängt das weitere Vorgehen von der Größe ab. Bei Knoten unter 1 cm Durchmesser und normaler Funktion könne eine Kontrolle in ein bis zwei Jahren empfohlen werden, so Schumm-Draeger.

Sind ein oder mehrere Knoten größer als 1 cm, sollte eine Schilddrüsenszintigrafie erfolgen. Ist die Funktion normal und der Knoten in der Szintigrafie kalt, handele es sich um einen hypofunktionellen Schilddrüsenknoten. Es stelle sich dann die Frage: gutartig oder nicht-gutartig.

Ergibt in einem solchen Fall auch der Ultraschall keine auffälligen Befunde, sollte eine Verlaufsbeobachtung mit einem Intervall von sechs bis zwölf Monaten erfolgen. "Wenn man aber nicht sicher ist, sollte eine Feinnadelpunktion gemacht werden", so Schumm-Draeger. Ist die Punktion unauffällig, erfolgt wiederum eine Verlaufskontrolle. Bei einem suspekten Befund sei jedoch eine Schilddrüsen-Op angesagt.

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