Ärzte Zeitung, 20.12.2007

Bei Struma kann oft schonend operiert werden

HEIDELBERG (hbr). Die meisten Schilddrüsen-Operationen in Deutschland werden wegen einer Struma gemacht. Auf eine komplette Enfernung wird bei unkomplizierten Strumen in der Regel verzichtet. Das trifft bei etwa 75 Prozent der mehr als 100 000 Schilddrüsen-Operationen zu. Vorteile: Recurrens-Paresen und Hypokalziäminen können verhütet, und der Bedarf an Schilddrüsenhormen kann reduziert werden.

Szintigramm einer normalen (links) und einer vergrößerten Schilddrüse (rechts).

Szintigramm einer normalen (links) und einer vergrößerten Schilddrüse (rechts). Foto: Sanofi-Aventis

Ein Verzicht auf komplette Ektomie bei unkomplizierten Strumen kann die Rate an Op-assoziierten Komplikatonen senken, so Professor Peter Goretzki vom Lukas-Krankenhaus in Neuss. Nach aktuellen Daten von etwa 67000 Patienten aus der Studie Papillon 2007 ergaben postoperative Stimmband-Lähmungen bei zwei Prozent der Operierten und eine Hypokalzämie wegen einer Schädigung der Nebenschilddrüsen bei drei Prozent.

Benigne euthyreote Jodmangel-Knotenstrumen machen bis zu 75 Prozent der jährlich rund 100000 Schilddrüsen-Operationen aus. Bei solchen Patienten, etwa mit isolierten Knoten, kann eine Teil-Resektion in Betracht kommen. Sie hat Vorteile. Denn je umfassender der Eingriff ausfällt, um so höher ist das Komplikationsrisiko. Teilektomien dagegen könnten die Recurrens-Paresen bei mindestens 800 Patienten pro Jahr verhindern, sagte Goretzki beim Henning Schilddrüsen-Symposium in Heidelberg.

Außerdem bleibt den Patienten bei subtotaler Entfernung oft eine Schilddrüsen-Restfunktion erhalten. Das senkt anschließend ihren T4-Substitutionsbedarf: Sie können dann mit einer Kombination aus Jod und Thyroxin (etwa Thyronajod® 75 Henning) oft besser zurechtkommen.

"Natürlich gibt es auch Patienten, da müssen wir die ganze Schilddrüse entfernen", so Goretzki bei der Veranstaltung von Sanofi-Aventis. Wegen des hohen Rezidivrisikos ist das etwa Patienten mit Morbus Basedow der Fall, die zur Operation vorgesehen sind. Oder bei Patienten, denen Strumen oder Knoten mechanische Probleme wie Schluck- oder Atembeschwerden bereiten.

Dagegen würde er Patienten mit nur leichter Überfunktion mit kleiner Schilddrüse und nur gering ausgeprägter Orbitopathie zunächst eine Radiojod-Behandlung empfehlen. Auch eine atrophe Hashimoto-Schilddrüse sei in der Regel keine OpP-Indikation, solange sie keinen tumorverdächtigen kalten Knoten enthält.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »