Ärzte Zeitung, 06.12.2007

Bei alten Patienten wird Hypothyreose spät erkannt

Es besteht große Gefahr, typische Symptome der Schilddrüsenunterfunktion fehlzuinterpretieren / Kinder haben oft keine klassischen Symptome

HEIDELBERG (hbr). Nicht jeder Patient mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion hat typische Symptome wie erhöhte Blutfette, Hypertonie oder einen langsamen Puls. Bei alten Menschen muss man genauer hinsehen, um Symptome richtig zuzuordnen. Und bei Kindern kann man auf die üblichen Kennzeichen überhaupt nicht zählen.

 Bei alten Patienten wird Hypothyreose spät erkannt

Müdigkeit, Vergesslichkeit oder Depressionen können Zeichen einer latenten Hypothyreose sein.

Foto: PhotoDisc

Bei alten Patienten besteht die größte Gefahr darin, typische Unterfunktionssymptome fehlzuinterpretieren, weil sie auch beim normalen Altern auftreten können. Solche häufigen klassischen Hypothyreose-Symptome sind etwa schlechte Blutfettwerte und langsamer Puls. Die Patienten neigen zu Bluthochdruck, früher Atherosklerose und Verstopfung.

Viele nehmen trotz magerer Kost zu. Sie frieren schnell, ihre Haut ist kalt, blass und teigig. Reflexe, Libido und Potenz schwächeln - alles Merkmale, die sich den auf Sparflamme laufenden Stoffwechsel-Prozessen zurück führen lassen. Daran erinnerte Professor Rainer Hehrmann vom Stuttgarter Diakonie-Klinikum beim Henning Schilddrüsen-Symposium in Heidelberg. Und: Das Konzentrieren fällt schwer und die Persönlichkeit kann sich ändern: Lebhafte Menschen werden müde, lethargisch und leicht erschöpfbar.

Dabei entwickeln alte Patienten oft nur wenige Symptome und auch diese häufig nur schleichend, betonte Hehrmann bei der Sanofi-Aventis-Veranstaltung. Wegen der Unterfunktions-typischen Lethargie gingen Betroffene oft nicht zum Arzt. Selbst den Leidensdruck kann sie überdecken: "Die Patienten unternehmen halt nichts, sie sitzen zu Hause; im Winter am Ofen, wo es schön warm ist."

Kein Wunder, dass die Diagnose bei alten Patienten oft erst spät erfolgt. Die Therapie ist dann aber einfach: Das fehlende Hormon wird mit Levothyroxin (etwa L-Thyroxin Henning®) ersetzt. Bei Schluckstörungen und zur Feineinstellung in 5-µg-Schritten gibt es auch die flüssige Variante (L-Thyroxin Henning® Tropfen).

Der Altersgipfel der Hypothyreose liegt zwar bei 50 bis 70 Jahren. Altersgebunden ist die Krankheit aber nicht: Ihr liegt meist eine chronische Autoimmun-Thyreoiditis (Hashimoto) zugrunde. Davor sind auch Hochbetagte und Kinder nicht gefeit.

Und auch bei Kindern ist die Diagnose anhand von Symptomen schwierig: "Kinder zeigen oft nicht die klassischen Symptome", betont Hehrmann. Das belegt der Fall eines neunjährigen Mädchens, den der Endokrinologe in Heidelberg vorstellte.

Die Eltern hatten den überweisenden Kinderarzt aufgesucht, weil ihr Kind ständig blass war. Eine Anämie wurde jedoch ausgeschlossen. Dafür lag der gemessene TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) bei 70 mU / l und damit weit über der oberen Normgrenze (bis 4 mU / l). Passend dazu fand sich im Ultraschall nur ein winziger Schilddrüsenrest - kennzeichnend für eine atrophische Hashimoto-Thyreoiditis.

Das Überraschende dabei: Abgesehen von der Blässe waren keine der von Erwachsenen bekannten typischen Symptome erkennbar, so Hehrmann. Das Mädchen war immer noch eine gute Schülerin, schlief nicht ständig ein und hatte weder zugenommen noch eine Verstopfung. Erst die Thyroxin-Substitution offenbarte, dass der Hormonmangel zuvor ihr Temperament unauffällig gedämpft hatte: Nach sechs Wochen Therapie, so die Mutter, "war sie wieder so frech wie früher."

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