Ärzte Zeitung, 20.01.2009

Behandlung mit L-Thyroxin schon bei latenter Hypothyreose

Hashimoto-Thyreoiditis ist häufigste Ursache

BERLIN (hbr). Häufigste Ursache für eine Hypothyreose ist hierzulande die Hashimoto-Thyreoiditis. Eine Behandlung mit SchilddrüsenHormonen ist dann schon bei subklinischer Unterfunktion sinnvoll.

An Hashimoto-Thyreoiditis erkranken vor allem Frauen. Diese Autoimmun-Thyreoiditis führt bei lymphozytärer Infiltration in der Regel zur schleichenden Zerstörung des Schilddrüsen-Gewebes. Das bedingt anfangs oft eine leichte Überfunktion, mündet letztlich aber in die Hypothyreose. Typisch für Hashimoto-Patienten sind in der euthyreoten Phase erhöhte Werte von Antikörpern gegen die thyreoidale Peroxidase (TPO-AK), wie Professor Karl- Michael Derwahl vom St.-Hedwig-Krankenhaus in Berlin berichtet hat. Die Antikörper lassen sich bei neun von zehn Patienten nachweisen. Erhöhte Spiegel an Thyreoglobulin-Antikörpern (Tg-AK) bestehen bei rund 50 Prozent. Bei ausgebrannter Thyreoiditis dagegen können die Antikörpertests auch negativ ausfallen.

In der euthyreoten Phase sei L-Thyroxin noch nicht sinnvoll, sagte der Endokrinologe bei einer Veranstaltung von Merck Pharma in Berlin. Denn der Entwicklung einer Unterfunktion hat die Medikation in Studien nicht vorgebeugt. Anders sieht es bei subklinischer Hypothyreose mit erhöhten Werten an Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TSH) und normalen Werten des freien Tetrajodthyronins (T4) und Trijodthyronins (T3) aus: Bei erhöhtem TSH und gleichzeitig hohen TPO-AK-Werten sei eine Behandlung mit L-Thyroxin in der Regel indiziert, sagte Derwahl. Bei solchen Patienten kommt es gehäuft zu einer manifesten Unterfunktion, die durch eine Therapie teilweise abgefangen werden kann.

Außerdem können typische Hypothyreose-Symptome - Müdigkeit, Depressionen und Gedächtnisprobleme - bereits bei latenter Unterfunktion auftreten. Die Medikation sollte also auf den TSH-Wert und die Beschwerden der Patienten abgestellt werden. Zusätzlich sind das erhöhte kardiovaskuläre Risiko und eine Hypercholesterinämie zu beachten. So wurden für subklinisch hypothyreote Patienten in mehreren Studien signifikant erhöhte Cholesterin- und LDL-Werte ermittelt.

Mit L-Thyroxin (vom Unternehmen als Euthyrox® angeboten) nehmen in der Regel der TPO-AK-Titer und das Volumen der Schilddrüse ab. Derwahl empfahl, einen TSH-Wert zwischen 0,5 und 1,5 mU/l anzustreben. TSH und periphere Hormone sollten regelmäßig kontrolliert werden. Weil das TSH auf die eingenommene Dosis verzögert reagiert, ist eine erste Messung erst nach vier bis sechs Wochen sinnvoll. Um den Wert im Zielbereich zu halten, sollte danach wegen des progressiven Charakters der Krankheit eine Kontrolle mindestens jährlich und außerdem bei Beschwerden erfolgen.

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