Ärzte Zeitung, 06.04.2010

Bedeutet Hyperthyreose Gefahr für Schlaganfall?

TAIPEI (ars). Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht bei jungen Erwachsenen das Schlaganfallrisiko. Das berichten taiwanesische Forscher aus Taipeh. Im Verlauf von fünf Jahren ereignete sich ein Schlaganfall bei 1 Prozent von knapp 3200 Hyperthyreose-Patienten und bei 0,6 Prozent von rund 25 500 Vergleichspersonen - das entspricht einem Unterschied von 44 Prozent. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 32 Jahre alt (Stroke online).

[06.04.2010, 21:56:24]
Dr. Nabil Deeb 
Hyperthyreose & Schlaganfall-Risiko !!!



Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors'Association
53140 Bonn / GERMANY


Hyperthyroidism & Stroke Risk !!!



Risque hyperthyroïdie et l'ACV !!!



Hyperthyreose & Schlaganfall-Risiko :-


Als latente Hyperthyreose ist ein Bereich definiert, in dem die SD-Hormone fT4/fT3 noch normal sind, das TSH aber zu niedrig ist. Verlässt das TSH den Referenzbereich nach oben und liegen die SD-Hormone im Normbereich spricht man von latenter bzw. subklinischer Hypothyreose. Dabei ist zu beachten, dass eine etwa 2,5fache Erhöhung der SD-Hormone innerhalb des Referenzbereiches durch eine Veränderung des TSH um den Faktor 1:100 abgebildet wird. Das bedeutet, dass TSH etwa 30 – 50 mal sensitiver auf Veränderungen der SD-Hormone reagiert. Deshalb arbeitet man im Screening mit dem TSH wesentlich effektiver als mit den Hormonen.

Im Jahr 1825 wurde erstmalig eine Assoziation zwischen einer Schilddrüsenfunktionsstörung und dem Auftreten von kardialen Arrhythmien beschrieben . Die Erkenntnis, dass Vorhofflimmern als häufigste Rhythmusstörung bei Hyperthyreose auftritt, war schon im Jahr 1918 bekannt .

Die Wirkung der Hyperthyreose auf das Herz wird im allgemeinen als schädlich betrachtet, denn wir kennen ja die kardialen Komplikationen der Hyperthyreose, besonders bei älteren Personen.

Die Diagnose der subklinischen Hyperthyreose wird bei völligem Fehlen oder
Vorhandensein nur sehr diskreter klinischer Symptome, durch die typische Konstellation von Laborbefunden und zwar einem erniedrigten TSH unter dem Normbereich von 0,45 mU/L bei normalen fT3 und fT4-Werten gestellt. Dieser liegt oft die Frühform einer klinisch manifesten Hyperthyreose zugrunde.

Es besteht derzeit keine einheitliche Meinung darüber, ob Personen mit dieser Diagnose von einer entsprechenden Behandlung profitieren, am ehesten ist dies bei Patienten mit TSH-Werten von unter 0,1 mU/L der Fall. Die Behandlungsmöglichkeiten entsprechen denen der manifesten Hyperthyreose.

Da eine spontane Normalisierung der Befunde möglich ist, soll die Entscheidung zu einer spezifischen Behandlung erst nach Ausschluss anderer eventuell extrathyreoidaler Ursachen und bei perisistierenden Befunden nach Kontrolle erhoben .

–Die kardiologischen Symptome der subklinischen Hyperthyreose sind :-

- Vorhofflimmern ;
- Herzfrequenz erhöht ;
- VH-Extrasystolen ;
- Kontraktilität erhöht ;
- Kammerhypertrophie, Septum und Hinterwand .

Die Schilddrüsenüberfunktion verursacht hämodynamische Veränderungen im Sinne eines hyperdynamen und hyperzirkulatorischen Zustandes und eine Vorlaststeigerung durch eine Zunahme des „Cardiac Output“ beziehungsweise des Schlagvolumens.
Es kommt darüber hinaus zu einer Nachlastsenkung durch eine Reduktion des totalen peripheren Gefäßwiderstands. Aus diesen hämodynamischen Veränderungen mit einer Zunahme der Herzarbeit resultiert eine Steigerung der linksventrikulären Muskelmasse im Sinne einer Linksventrikelhypertrophie, die wiederum eine linksventrikuläre Funktionsstörung bis hin zur Ventrikeldilatation zur Folge haben kann.

Am Reizleitungssystem und insbesondere am Vorhofmyokard wirkt eine Schilddrüsenüberfunktion positiv chronotrop, wobei eine Beschleunigung der sinuatrialen Depolarisation, eine Akzeleration der Vorhofserregung, eine Zunahme der Betarezeptorendichte und eine Abnahme der effektiven Refraktärperiode des Reizleitungssystems dafür verantwortlich sind.

Die manifeste Hyperthyreose ist die wichtigste und häufigste extrakardiale
Ursache von Vorhofflimmern. Die Inzidenz der thyreogenen
Vorhofflimmerarrhythmie (bei manifester Hyperthyreose) liegt bei 15–20 % .

Aus pathophysiologischer Sicht ist aber die Wirkung der Schilddrüsenhormone auf das Herz und das vaskuläre System viel komplexer .

Dies ergibt sich schon aus der Vielfalt der T3-Rezeptoren: die genetisch verschiedenen nukleären Alpha und Beta-Rezeptoren und die in der Prozessierung der Rezeptoren entstehenden Varianten sind wohl am bekanntesten Es wurde ein mitochondrialer Rezeptor beschrieben .

Aktive Transportsysteme für T3 und T4 wurden seit Jahren schon postuliert, doch ist es gelungen einen T3-Transporter in der Zellmembran nachzuweisen, den MCT-8-Transporter. Genetische Veränderungen dieses Transporters sind mit einem sehr schweren neurologischen Syndrom verbunden .


Enzyme im Herzmuskel wie das SERCA 2A ( = sarcoplasmic endoplasmic Reticulum calcium ATPase 2a), welches von entscheidender Bedeutung ist für die intrazelluläre Kalziumhomöostase und somit für die myokardiale Funktion .


Das SERCA 2A sorgt dafür, dass während der Diastole die intrazellulären Kalziumspiegel wieder absinken.

Die SERCA 2A steigt bei größerer Belastung der Herzmuskulatur, wie z.B. beim Sportler oder bei der Hyperthyreose parallel zur kardialen Hypertrophie an, die man als physiologisch bezeichnen kann. Bei der dilatativen oder hypertrophen Herzinsuffizienz bleibt trotz entsprechender Stimulation der Anstieg dieses Enzyms aus, was verbunden ist mit einem Versagen der diastolischen Relaxation des Herzmuskels.

Es ist unklar, weshalb in solchen Situationen das T3 nur beschränkt wirksam ist.

Die Beziehung zwischen den Schilddrüsenhormonen und dem adrenergen Nervensystem ist komplex. Vieles ist noch nicht vollständig geklärt .

Es konnte jedoch gezeigt werden, dass die Hyperthyreose selbst in ihrem subklinischen Stadium das Risiko für ein Vorhofflimmern deutlich erhöht .

Bei ca. 50 % aller Patienten mit manifester Arteriosklerose ist keiner der klassischen Gefäßrisikofaktoren nachzuweisen. Auch hat der deutliche Rückgang in der Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen in westlichen Ländern lange vor der Initiation gezielter Risikopräventionsprogramme eingesetzt. Diese Tatsachen legen nahe, dass neben den klassischen Noxen andere sehr potente Risikofaktoren für vaskuläre Erkrankungen existieren. Als besonders vielversprechende Kandidaten werden (chronische) bakterielle und virale Infektionen gehandelt.

Tatsächlich induzieren verschiedenste infektiöse Mikroorganismen am Endothel und an anderen vaskulären Zellen Veränderungen, die als eindeutig proatherogen einzustufen sind. Hierzu gehört eine direkte Endothelschädigung (Expression von Adhäsionsmolekülen und Zytokinen, gestörte Vasodilatation, prokoagulatorische Effekte), Lipidakkumulation mit Schaumzellbildung durch Aufregulierung von Scavenger-Rezeptoren, Induktion von Inflammation sowie die Proliferation und Akkumulation glatter Muskelzellen. Kontroversiell diskutiert wird die Möglichkeit einer direkten Infektion der Gefäßwand, die sich hauptsächlich auf den Nachweis z. T. replikationsfähiger Mikroorganismen in arteriosklerotischen Plaques stützt.


Literatur beim Verfasser



Mit freundlichen kollegialen Grüßen


Ihr


Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Department of Medical Research
Département de la recherche médicale
P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

&

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Department of Medical Research
Département de la recherche médicale
P.O. Box 10 01 35
53439 Bad Neuenahr / GERMANY

e.mail: doctor.nabil.deeb.pmi.germany@googlemail.com

or

e.mail: doctor.nabilabdulkadirdeeb@googlemail.com

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »