Ärzte Zeitung, 06.10.2006

Durch Mangel an Testosteron verfettet der Schwellkörper

Hormon fördert Differenzierung von Vorläuferzellen des Schwellkörpers / Bei Hormonmangel bilden sich Fettzellen statt glatter Muskulatur

HAMBURG (KHS/mut). Testosteronmangel schwächt nicht nur die Libido, sondern auch das penile Gewebe: Gibt es zuwenig Hormon, entstehen im Schwellkörper Fett- statt Muskelzellen. Übergewicht kann den Testosteron-Mangel verstärken und somit die Entwicklung einer Potenzschwäche begünstigen.

Professor Wolfgang Weidner: Bei Patienten mit Testosteronmangel und ED kann eine Substitution lohnen. Foto: dpa

Etwa 90 Prozent der Männer mit metabolischem Syndrom haben auch einen Testosteron-Mangel - und meist auch eine erektile Dysfunktion (ED). Das hat Professor Wolfgang Weidner vom Uniklinikum Gießen beim Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Hamburg berichtet.

Ein Grund dafür: Patienten mit metabolischem Syndrom sind in der Regel stark übergewichtig. Im Fettgewebe wird viel Testosteron abgebaut und die Serumkonzentration sinkt. Dieser Testosteron-Mangel ist, außer einer Atherosklerose der penilen Gefäße, offenbar mit ein Grund für die hohe Rate an Potenzschwäche bei Patienten mit metabolischem Syndrom, berichtete Weidner.

Testosteron sorgt jedoch nicht nur für die Erschlaffung der glatten Muskulatur des Schwellkörpers - eine wichtige Voraussetzung für die Erektion. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Das Hormon fördert auch die Differenzierung der Vorläuferzellen der glatten Muskulatur des Schwellkörpers, so Weidner. Gibt es zu wenig Testosteron, entwickelten sich die Vorläuferzellen nicht zu glatter Muskulatur, sondern zu Fettzellen - und damit ist keine Erektion möglich.

Haben Patienten mit Testosteron-Mangel eine erektile Dysfunktion, kann sich daher eine Testosteron-Substitution lohnen. Bei Patienten mit Hypogonadismus, die in Studien auf Sildenafil schlecht ansprachen, konnte eine Kombitherapie mit Testosteron die Potenz deutlich steigern, sagte Weidner.

Diabetiker scheinen von einer Testosteron-Therapie sogar doppelt zu profitieren. Denn die Therapie kann offenbar auch den Glukose-Stoffwechsel verbessern. In einer Studie mit 24 Männern mit Typ-2-Diabetes und Hypogonadismus ließ sich mit einer Testosteron-Substitution die Insulinresistenz reduzieren und der HBA1c-Wert sank um 0,37 Prozentpunkte.

Doch wann sollte Testosteron substituiert werden? Die Indikation für die Testosteron-Substitution liegt nach Empfehlungen internationaler urologischer Gesellschaften dann vor, wenn der Gesamt-Serum-Testosteronspiegel morgens unter 8 nmol/l liegt und zusätzlich typische Hypogonadismus-Symptome wie Aktivitätsverlust, Ermüdung und oder ED auftreten. Haben die Patienten ausgeprägte Hypogonadismus-Symptome, ist nach diesen Empfehlungen auch schon bei einem Testosteronwert zwischen 8 und 12 nmol/l eine Therapie zu erwägen.

STICHWORT

Hypogonadismus

Der Begriff Hypogonadismus wird oft als Synonym für die Unterfunktion der männlichen Gonaden benutzt. Folge der Unterfunktion ist ein Androgenmangel, der bei Jungen zum Ausbleiben der Pubertät, bei Männern zu Fertilitätsstörungen führen kann. Auch eine nachlassende Hodenfunktion im Alter führt zu einem Mangel an Testosteron, der Libidoverlust, erektile Dysfunktion sowie reduzierte Muskelmasse und Knochendichte nach sich ziehen kann.

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