Ärzte Zeitung, 01.06.2007

HINTERGRUND

Frauen über 40 kommen in die Wechseljahre, Männer über 60 Jahre ins PADAM

Von Gerta Niebauer

Gibt es ein Klimakterium des Mannes? "Nein", sagt dazu Dozent Dr. Andreas Jungwirth, Urologe an der Privatklinik Bad Dürrnberg in Salzburg. Das Serum-Testosteron nimmt zwar ab dem 50. Lebensjahr des Mannes um ungefähr ein Prozent jährlich ab.

Ein Mann verwendet zur Hormon-Substitution ein Testosteron-Gel. Foto: Jenapharm

"Das klinische Bild für diese Hormonveränderung wird oft fälschlich als Andropause oder männliches Klimakterium bezeichnet. Die Symptome sind aber nur teilweise jenen des Klimakteriums der Frau ähnlich, sie treten vor allem protrahiert und nur bei etwa 20 Prozent der Männer auf", sagte Jungwirth auf einer Fortbildungswoche der österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden. Geht es also Männern im "Wechsel" besser als Frauen? In vieler Hinsicht schon.

Testosteronspiegel nimmt nur langsam ab

Bei Frauen am Ende ihres reproduktiven Lebensabschnittes gibt es eine zeitlich gut definierte Periode mit verminderter ovarieller Reservekapazität, Aussetzen der Regelblutung. Damit einher geht eine Vielzahl hormoneller und physischer Beschwerden. Dagegen kommt es bei alternden Männern zu keiner plötzlichen Abnahme der Leydigzellfunktion.

Aufgrund der langsam abnehmenden Testosteron-Produktion ist es viel schwieriger, die Veränderungen bei älteren Männern zu diagnostizieren und die Männer zu therapieren. Aus diesem Grund sollte man die Terminologie "männliche Menopause", "männliches Klimakterium" oder "Andropause" nicht verwenden. Der für dieses Krankheitsbild zutreffende Terminus ist das "Partielle Androgen-Defizienzsyndrom beim alternden Mann" (PADAM), so Jungwirth.

Wie auch immer benannt, Männer können auch mit dem sehr langsamen Rückgang des Testosteronspiegels Probleme bekommen. "Das Wissen über Hypogonadismus bei alternden Männern ist aber noch sehr gering und auch Richtlinien für den Beginn einer Therapie sind unzureichend", so der Urologe.

Auf Grund bisheriger Messungen weiß man, dass etwa sieben Prozent der unter 60-Jährigen, aber mehr als 70 Prozent der Männer über 60 Jahren Hypogonadismus-Symptome angeben. Es gibt aber auch Studien, wonach 70 Prozent der 80-Jährigen noch Testosteronwerte von 20-jährigen Männern haben. PADAM ist also kein sehr verbreitetes Männerleiden, es wird oft nur subjektiv empfunden. Besonders gut hormonell ausgestattet sind attraktive, durchsetzungsstarke Männer, die "Bosse". Ehemänner haben für gewöhnlich niedrigere Testosteronwerte als Singles, Priester haben von diesem Hormon meist relativ wenig.

Die Ernährung ist für die Stärkung der Manneskraft, wie es oft versprochen wird, nicht von Bedeutung. Doch Ausdauersport regt die Testosteronbildung in den Hoden an und wirkt daher auch potenzfördernd.

Vor Therapiestart sollte auf Prostata-Ca untersucht werden

Auf Grund dieser individuellen Schwankungen ist es oft schwer, krankhafte oder abnorme Veränderungen als Indikation für eine Hormontherapie festzulegen. Für die hormonelle Abklärung empfiehlt Jungwirth etwa die Analyse des Serum-Testosteronwertes, des luteinisiernden Hormons, des follikelstimulierenden Hormons, Prolaktin und unbedingt des PSA-Werts, um kein Prostata-Ca zu übersehen.

Eine adäquate Androgen-Substitution bei hypogonadotropen Krankheitsbildern ist nicht leicht, da einerseits eine Langzeittherapie notwendig ist, anderseits aber die Halbwertzeit von Testosteron im Serum mit 13 Minuten sehr kurz ist. Zur Androgen-Substitution stehen derzeit vier Darreichungsformen zur Verfügung.

  • Die orale Testosteron-Ersatztherapie hat Vorteile aufgrund der angenehmen Darreichungsform, das Hormon wird allerdings im Gastrointestinaltrakt sehr rasch absorbiert. Es ist daher unerlässlich, gleichzeitig fettreiche Nahrung zu sich zu nehmen.
  • Die intramuskuläre Testosteron-Substitution ist nach Angaben von Jungwirth sehr effektiv und stellt den "Goldstandard" dar. Der Vorteil liegt darin, dass nur alle drei Monate eine Injektion von 1000 mg Testosteron-Undecanoat verabreicht werden muss. Die Patienten sollten aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass nach der Injektion kurzfristig Schmerzen auftreten können.
  • Transdermales Testosteron, entweder mit Gel oder Pflaster, stelle die physiologischste Applikation dar. Vorsicht sei jedoch bei der Verwendung von Gel geboten, es kann auch auf die Partnerin übertragen werden.
  • Subkutane Implantate haben den Vorteil, dass man mit dieser Applikation natives Testosteron verwenden kann und der physiologische Serumspiegel für vier bis fünf Monate ausreicht. Sechs Stück dieser Implantate mit je 100 mg werden subkutan im Hüftbereich mit einem kleinen chirurgischen Eingriff unter lokaler Betäubung implantiert.

"Eine medizinisch induzierte Hormon-Ersatztherapie kann jedenfalls den Gesundheitszustand und die Lebensqualität verbessern", so Jungwirth. So sollen Herz und Kreislauf gestärkt werden, womit auch die Leistungsfähigkeit ansteige. Die Antriebskraft komme wieder und damit auch die Libido, der Knochenabbau werde gehemmt.

Der Beitrag erschien in ungekürzter Version erstmals in der "Ärzte Woche" am 12. April

STICHWORT

PADAM

Zeichen eines partiellen Androgen-Defizienzsyndroms beim alternden Mann (PADAM) sind:

  • Libidoverlust, Verschlechterung der erektilen Funktion
  • Abnahme der physischen und intellektuellen Aktivität, Depression, Reizbarkeit
  • Abnahme der Körperbehaarung, Verminderung der Muskelmasse und der Leistungsfähigkeit, Abnahme der Knochendichte, Zunahme des viszeralen Fettes.

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