Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Etwas Sport ist gut für die Testosteronwerte - zu viel schadet jedoch

HAMBURG (eb). Testosteron-Missbrauch im Sport ist keine Seltenheit. Wer seinem Körper jedoch etwas Gutes tun will, sollte die Testosteron-Produktion besser auf natürliche Weise steigern. Am besten gelingt dies durch die richtige Sport-Dosis. Zu viel Sport kann das Hormonsystem jedoch durcheinander bringen und ebenfalls schaden, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Etwas Sport ist gut für die Testosteronwerte - zu viel schadet jedoch

Etwas Sport ist gut für die Testosteronwerte - zu viel schadet jedoch.

Foto: Galina Barskaya©www.fotolia.de

Etwa zehn bis zwölf Prozent aller Freizeitsportler dopen, wissen Experten und warnen vor Testosteron aus dem Internetversandhandel. "Wer seiner Leistung und Virilität nachhelfen will und sich künstlich Testosteron zuführt, hat deutlich größere Chancen, seinem Körper zu schaden als auf dem Siegertreppchen zu landen", sagt Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Weil der Körper sich daran gewöhnt, Testosteron zugeführt zu bekommen, wird die Eigenproduktion überflüssig und bleibt aus. "Wenn das Mittel abgesetzt wird, hat der Körper Schwierigkeiten, die Produktion wieder anzuregen", so der Hamburger Urologe. "Doping mit Testosteron kann bei manchen Menschen ganz schnell zu Lebererkrankungen führen. Langfristig wird das ganze System gestört und kann sich nicht wieder regenerieren. Bei Frauen kann das sogar so weit gehen, dass sich die Klitoris in einen kleinen Penis umformt."

Um die Leistung zu steigern, empfiehlt Sommer, bei niedrigen Werten den Testosteronspiegel auf natürlich Weise zu stimulieren: durch Sport. "Alle Ausdauersportarten um die 45 Minuten sind perfekt, um den Hormonhaushalt anzukurbeln", sagt Sommer.

"Doch gerade weil der Körper auf Aktivität reagiert und die Hormonproduktion durch Sport angeregt wird, können lange Ausdauersportarten wie Marathonlaufen für die Athleten gesundheitsschädlich werden", so der Experte, der aus seiner eigenen Praxis Fälle kennt, in denen Langstreckenläufer sich ihren Hormonhaushalt "kaputtgerannt" haben. Das Ergebnis bei einem seiner Patienten: eine hervorragende Platzierung beim Marathon, aber ansonsten Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine geminderte Libido.

Ausdauersportler sollten deshalb ein- bis zweimal pro Jahr ihren Testosteronwert kontrollieren lassen, empfiehlt Sommer. Sollten die Werte zu niedrig sein - normal sind zwischen 3,5 und 8,6 ng/ml Blut -, könnte eine Umstellung des Trainingsprogramms erforderlich sein, um den Körper wieder in den "grünen Bereich" zu bringen. Dieser "grüne Bereich" mag keinen Medaillenregen bringen, aber auf Dauer gesehen ist er ein größerer Sieg. "Männer, die regelmäßig ein nicht übermäßig langes Kraft- oder Ausdauertraining machen, haben einen guten Testosteronwert. Das Ergebnis: Sie sind frischer, dynamischer, schlafen besser - und die Libido profitiert auch."

Der Urologe Professor Frank Sommer wird zum Thema "Testosteron und Sport" auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Stuttgart sprechen. Der Kongress findet vom 24. bis 27. September 2008 im Internationalen Congresscenter in Stuttgart statt. Sommer spricht dabei in der Forumssitzung 16 "Der Mann und sein Hormon" am Samstag, den 27. September, zwischen 8.30 und 10 Uhr in Raum C 1.2.1. Internet: www.dgu-kongress.de, www.urologenportal.de

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