Ärzte Zeitung, 12.10.2010

Jahreskongress 2010 Männergesundheit

Dicker Bauch - niedriger Testosteronspiegel

Testosteronmangel ist mit vielen Problemen älterer Männer assoziiert. Das reicht von Depressionen bis zu Osteoporose.

Von Heinz Dieter Rödder

Dicker Bauch - niedriger Testosteronspiegel

Wenn der BMI unter 25 bleibt, so ändert sich im Alter auch kaum etwas am Testosteronspiegel.

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BAD HOMBURG. Für ältere Männer mit Hypogonadismus ist das Testosteron-Defizit ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko. Es ist verknüpft mit Parametern des metabolischen Syndroms, mit verminderter Knochendichte und dem Risiko für Depressionen.

Bei verantwortungsbewusstem Umgang mit dem Thema kann Testosteron eine ganze Menge leisten. Darauf hat Professor Michael Zitzmann von der Universität Münster beim Kongress in Bad Homburg hingewiesen. Ohne Zweifel habe Hypogonadismus etwas mit dem Alter zu tun, aber: Bleibt der BMI unter 25 kg/m2, ändere sich mit dem Alter am Teststeronwert kaum etwas, so Zitzmann.

Niedrige Teststeronwerte seien eindeutig assoziiert mit Übergewicht, Metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes, wobei nicht ganz klar sei, was Henne und was Ei sei. Sinkende Gesamttestosteronspiegel sind mit typischen Problemen älterer Männer assoziiert. Ab 15 nmol/l spüren Männer Libidoverlust, ab 12 nmol/l besteht Übergewicht, ab 10 nmol/l besteht erhöhte Depressivität und ab 8 nmol/l erektile Dysfunktion. Bereits bei Spiegeln unter 8,7 nmol/l war in einer Studie die Lebenserwartung vermindert.

In der IPASS*-Studie sei durch Testosteron-Therapie der Anteil der Männer mit positiver Stimmung von 23 Prozent auf 77 Prozent gestiegen. Ausreichende Antriebskraft hatten zuvor 11 Prozent, danach 60 Prozent. Der Anteil der Männer mit Konzentrationsproblemen sank von 30 Prozent auf 4 Prozent.

Außerdem sei belegt worden, dass mit steigendem Testosteronspiegel die Knochendichte steigt. Die Konzentration des Gesamttestosterons ist auch umgekehrt mit dem Bauchfett assoziiert. So sei in einer Studie bei Männern durch Sport und Ernährungsumstellung der Bauchumfang um 7 cm zurückgegangen, durch zusätzliche Teststerontherapie aber um 15 cm.

Wie ist es um die Sicherheit einer Testosterontherapie bestellt? In einer Metaanalyse mit Männern über 64 war die Rate an Prostata-Ca nicht erhöht, der PSA nicht gestiegen. Und bei kardialem Risiko sieht es eher so aus, als ob Testosteron einen Schutzeffekt habe, so der Kardiologe Professor Thomas Meinertz aus Hamburg.

*IPASS: International, multi-centre, Post-AUTHORisation Surveillance Study

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[12.10.2010, 09:57:27]
Dr. Ralf Hettich 
ED und Libidoverlust als führende Symptome eines Testosteronmangels
In einem Vortrag von Prof. Dr. Hermann Behre auf dem 62. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie wurde die erektile Dysfunktion oder ein Libidoverlust als führende Symptome eines Testosteronmangels ausgewiesen. Prof. Behre nahm Bezug auf eine kürzlich erschienene Studie, die im Rahmen der European Male Ageing Study (EMAS) durchgeführt wurde (WU et al. 2010). Bei diesen Untersuchungen an 3 369 Männern im Alter von 40 bis 79 Jahren konnte gezeigt werden, dass sexuelle Funktionsstörungen in Form einer erektilen Dysfunktion (ED), einer Verminderung morgendlicher Erektionen oder einer Verminderung des sexuellen Verlangens (Libidoverlust) die führenden klinischen Symptome eines Testosteronmangels beim Altershypogonadismus sind.
Schon bei einem Serumspiegel des freien Testosterons unter 280 pmol/l trat eine erektile Dysfunktion signifikant häufiger auf.
Quelle: Wu et al.2010, Identification of late.ionset hypogonadism in middle-aged and elderly men. N Engl J Med 2010;363:123-135.
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