Ärzte Zeitung online, 01.08.2011

Antibaby-Spritze für den Mann: Studie gescheitert

Sie war eine neue Hoffnung zur Verhütung: die Antibaby-Spitze für den Mann. Doch nun wurde die Studie abgebrochen - wegen erheblicher Nebenwirkungen.

Von Thomas Schöne

Antibaby-Spritze für den Mann: Studie gescheitert

Spermiogramm am Uniklinikum Halle: Gelbe Karte für die Antibaby-Spritze.

© dpa

HALLE/MÜNSTER. Die Idee einer Antibaby-Spritze für den Mann ist mehr als 30 Jahre alt. Aber bislang ist kein derartiges Präparat bis zur Marktreife gelangt.

Auch eine Ende 2009 gestartete Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in acht Ländern mit insgesamt 400 Testpersonen brachte keinen Erfolg.

"Die Studie ist bereits im März gestoppt worden, weil die Spritze in der jetzigen Zusammensetzung nicht funktioniert", sagt der Leiter der Studie, Professor Michael Zitzmann, Androloge und Endokrinologe am Centrum für Reproduktionsmedizin der Uni Münster.

Nebenwirkungen traten erst in der großen Studie auf

"Bei 90 Prozent der Männer hat es funktioniert, aber 10 Prozent, das ist einfach zu viel", sagt Zitzmann mit Blick auf die Nebenwirkungen. Insbesondere bei älteren Familienvätern traten unangenehme Folgen auf, darunter Depressionen, Gewichtszunahme oder Akne.

Dabei wurde die Verhütungsspritze vor Beginn der großen WHO-Studie in mehreren kleineren nationalen Studien getestet, ohne dass dabei derartige Nebenwirkungen auftraten.

In Halle beteiligten sich 43 Männer. Generelle Bedingung war, dass alle Probanden im Alter zwischen 18 bis 45 Jahren in einer festen Partnerschaft leben und die Frauen mit dem Test einverstanden sind. Derzeit befinden sich die Teilnehmer in der Nachbetreuung.

Spritze funktioniert nicht wie erwartet

"Die Erwartungen sind nicht erfüllt worden", sagt der Leiter der Studie in Halle, Professor Hermann Behre, der auch Direktor des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Halle ist.

"Zwar haben in Halle neun von zehn Männern die Spritze vertragen, aber insgesamt ist der Anteil der Unverträglichkeit zu hoch." Die komplette Auswertung der Studie werde im Oktober vorliegen. "Aber wir können schon jetzt davon ausgehen, dass es in dieser Form nicht funktioniert", bestätigt Behre.

Den Männern wurde die Antibaby-Spritze alle acht Wochen gegeben. Als Wirkstoffe kamen Substanzen zur Anwendung, die bereits zur Behandlung von anderen Beschwerden zugelassen sind. Ansonsten wären langwierige Zulassungsverfahren notwendig geworden.

Die Testosteronzufuhr von außen bewirkte, dass die Hoden die Produktion des körpereigenen Testosterons einstellten und als Folge auch tatsächlich keine Samenzellen erzeugt wurden.

Wenig Hoffnung auf einen schnellen neuen Anlauf

"Wir müssen jetzt ganz neu anfangen, das Ergebnis ist offen", sagt Zitzmann. Allerdings rechnet er nicht mehr damit, dass eine Verhütungsspritze für den Mann innerhalb der nächsten fünf Jahre zur Marktreife gebracht werden kann.

Auch die Pharmaindustrie ist skeptisch. Ein Forschungsprojekt auf Basis einer Hormonspritze und eines Implantates wurde nach der Übernahme der Schering AG durch die Bayer AG im Jahr 2007 eingestellt.

"In den nächsten 10 bis 15 Jahren gibt es dafür keine Marktchancen", sagt Friederike Lorenzen von der heutigen Bayer HealthCare Pharmaceuticals der Bayer Pharma AG. Auch die im Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) organisierten 43 Pharmafirmen forschen den Angaben zufolge nicht an einem Verhütungsmittel für den Mann.

Dennoch: Behre sieht weiterhin große Chancen für eine Antibaby-Spritze für den Mann. "Wir sind an einem Erfolg näher dran, als manche glauben."

Der Mediziner favorisiert die reine Testosteron-Spritze. "In China wurde eine derartige Testosteron-Spritze an über 1000 Männern mit Erfolg getestet. Die Ergebnisse liegen seit 2009 vor", sagt der Wissenschaftler.

"Die Antibaby-Spritze für den Mann soll die Pille für die Frau nicht verdrängen oder ablösen", betont Behre. Die Spritze biete aber Paaren die Möglichkeit, sich die Verantwortung bei der Verhütung zu teilen. Außerdem wäre sie eine gute Alternative, wenn die Frau die Pille aus gesundheitlichen Gründen nicht verträgt. (dpa)

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