AIDS/HIV

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Modul: HIV-Infektion – Test und Behandlung

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Ärzte Zeitung, 19.01.2005

Zahl der Aids-Waisen in Jamaika steigt dramatisch

Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2003 verloren über 5000 Kinder ein oder beide Elternteile - das waren dreimal mehr als im gesamten Vorjahr

KINGSTON (IPS). In Jamaika steigt die Zahl der Aids-Waisen rasant an. Nach Angaben des nationalen Gesundheitsministeriums haben allein in der ersten Hälfte des Jahres 2003 über 5100 Kinder einen oder beide Elternteile durch die Immunschwächekrankheit verloren. Im gesamten Jahr 2002 waren es dagegen 1300.

Viele jamaikanische Kinder werden nicht nur zu Aids-Waisen, sie sterben auch selbst an den Folgen der Infektion. Foto: dpa

Von Zadie Neufville

Bei einer Infektionsrate von 1,5 Prozent der Bevölkerung schätzt das Ministerium, daß zwischen 10 000 und 20 000 Kinder in der Gefahr leben, durch Aids zu verwaisen. Schon jetzt ist die tödliche HIV-Infektion in Jamaika die zweithäufigste Todesursache für Kinder in der Altersgruppe der Ein- bis Vierjährigen.

Wenig hoffnungsvoll stimmen auch die Hochrechnungen des UN-Aidsprogramms (UNAIDS) und des Weltkinderhilfswerks (UNICEF) für den gesamten lateinamerikanisch-karibischen Raum. Nach einem gemeinsamen Bericht der beiden UN-Organisationen lag die Zahl der Aids-Waisen in der Region im Jahre 2001 bei 578 000. Sie wird sich bis 2010 auf 898 000 erhöhen.

Für Ärzte und Helfer werden neue Richtlinien entwickelt

Für Jamaika haben die Regierung in der Hauptstadt Kingston und UNICEF jetzt einen Aktionsplan für die Jahre bis 2006 aufgelegt, der helfen soll, das Los der betroffenen Kinder zu verbessern. Unter anderem sollen Richtlinien für Ärzte und Helfer entwickelt werden. Sie raten HIV-positiven Müttern, die sich keine Babynahrung leisten können, noch immer zum Stillen und fördern so das Infektionsrisiko.

Aids-Waisen droht meistens ein hartes Schicksal

Auf nicht-staatlicher Ebene kümmern sich Organisationen wie Jamaica Aids Support (JAS) um Aidswaisen, die nach einem Bericht des Nationalen Aids-Komitees nicht nur hoher Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Ihnen drohen auch Verarmung und Ausbeutung durch skrupellose Arbeitgeber, die die finanzielle Not der Kinder ausnutzen, ihnen gefährliche Arbeiten aufbürden oder sich Nahrung und Unterkunft mit sexuellen Diensten bezahlen lassen. Erschwerend hinzu kommt der Sog von Kriminalität und Drogenmißbrauch. Viele Kinder leiden an Depressionen, die Rate der frühen Schwangerschaften ist hoch. Viele brechen auch die Schule vorzeitig ab.

JAS hat in den letzten Monaten HIV-positive Mütter mit Babynahrung versorgt und nach eigenen Angaben die Mutter-Kind-Übertragung um 45 Prozent senken können. Geplant ist für die nächste Zeit ein Aufklärungsprojekt unter anderem für Lehrer, die offenbar nicht wissen, daß es verboten ist, HIV-positiven Kindern den Schulbesuch zu verweigern.

Zu den Schützlingen von JAS gehört auch der sechsjährige Gary. Sein Vater ist vor drei Jahren an den Folgen einer HIV-Infektion gestorben. Als die Familie erfuhr, daß auch die Mutter und das Kind mit dem HI-Virus leben, verweigerte sie jede weitere Hilfe. Die beiden hatten keine andere Wahl, als allein in das ererbte Haus des Vaters zu ziehen.

Dort hat sich der kleine Junge seit einem Jahr um seine mittlerweile schwer kranke Mutter gekümmert, sie gebadet und gekämmt, die Schule aufgegeben und Nachbarn zu Lebensmittelspenden veranlaßt, die das Überleben der beiden immerhin halbwegs sichern konnten.

"Ich kam in ein Haus, das über und über zugewachsen und Wespen-verseucht war", berichtet Donna-Marie Hamilton-Ross, JAS-Koordinatorin für den jamaikanischen Westen, wo HIV/Aids ein besonders großes Problem ist. Sie konnte immerhin erwirken, daß sich jetzt eine von Garys Großmüttern um den Jungen und seine Mutter kümmert.

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