Ärzte Zeitung, 27.05.2004

HIV-Fixkombination einmal pro Tag wirkt gut

Vergleich von zweimal täglicher Einnahme mit Einmal-Dosis von Lopinavir mit Ritonavir / Keine Resistenzmutationen

BERLIN (awa). Die einmal tägliche Therapie mit der Fixkombination des mit Ritonavir geboosterten Proteasehemmers Lopinavir unterdrückt die HIV-Vermehrung ähnlich gut wie die zweimal tägliche Behandlung. Das hat die Zwischenauswertung einer offenen Studie nach 48 Wochen Therapie ergeben.

Zugelassen ist Lopinavir/r (Kaletra®) für die zweimal tägliche Einnahme: 400 mg Lopinavir und 100 mg Ritonavir morgens und abends in je drei Kapseln. Wie Dr. Scott Brun vom Unternehmen Abbott Laboratories in den USA berichtet hat, erhielten 75 nicht vorbehandelte HIV-Patienten diese Standarddosierung in einer noch laufenden, offenen Studie. Und 115 Patienten erhielten 800mg/200mg Lopinavir/r einmal am Tag. Zusätzlich nahmen die Patienten die beiden nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NRTI) Emtricitabin und Tenofovir einmal täglich ein.

Die vorläufigen Daten belegen, daß die einmal tägliche Therapie mit Lopinavir/r eine wirksame und verträgliche Behandlungsoption für nicht vorbehandelte Patienten ist, wie Brun auf einem vom Unternehmen Abbott ausgerichteten Symposium in Berlin sagte.

Nach 48 Wochen hatten in der Intent-To-Treat-Analyse 70 Prozent der Patienten mit der Standarddosierung eine Viruskonzentration unter 50 HIV RNA-Kopien pro Milliliter Blut, mit der einmal täglichen Dosierung waren es 64 Prozent. Diese Nachweisgrenze erreichten in der Analyse, die nur die Behandelten berücksichtigte, 90 Prozent der Patienten, die 48 Wochen lang die Standarddosierung einnahmen, und 85 Prozent der Patienten mit der einmal täglichen Therapie.

In beiden Studienarmen stieg die CD4-Zellzahl mit 185 und 188 Zellen pro Mikroliter ähnlich an. Beide Dosierungsschemata waren nach Bruns Angaben gleich gut verträglich. Nur die Rate an Diarrhöen war unterschiedlich: Mit der Einmaldosierung habe sie 16 Prozent und mit der zweimal täglichen Therapie habe sie fünf Prozent betragen. Das Unternehmen entwickele zur Zeit aber eine neue Galenik, bei der weniger Durchfälle vorkommen, so Brun.

Wie in anderen Studien auch, sei in dieser Untersuchung bisher keine primäre Resistenzmutation gegen Lopinavir/r aufgetreten und die Behandlung mit Lopinavir/r schütze auch gegen andere Resistenzen, berichtete Brun. Bei den fünf Patienten, deren Viruskonzentration zwischen der zwölften und der 24. Woche über 500 Kopien stieg, konnte keine Resistenz gegen Tenofovir nachgewiesen werden. Je ein Patient aus jeder Behandlungsgruppe hatte eine Resistenzmutation gegen Emtricitabin.

STICHWORT

Proteasehemmer

Protease-Hemmer hemmen spezifisch die Protease von HIV. Dabei handelt es sich um ein virales Enzym, das in der Spätphase des viralen Vermehrungszyklus die Spaltung eines großen Vorläufer-Proteins in verschiedene, für das HI-Virus wichtige Proteine bewirkt. Protease-Hemmer verhindern diese Spaltung und führen dadurch zur Bildung defekter Viruspartikel. Protease-Hemmer sind auch in der Spätphase einer HIV-Infektion gut wirksam.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »