Ärzte Zeitung, 01.12.2004

Nutzen von Lopinavir-Therapie hält seit sechs Jahren an

Bei den meisten Patienten keine Virus-RNA nachweisbar

MÜNCHEN (awa). Schon sechs Jahre lang verhindert der geboosterte Proteasehemmer Lopinavir bei zuvor nicht behandelten HIV-Patienten, daß sich HI-Viren entwickeln, die gegen Lopinavir resistent sind. Bei zwei Drittel der Patienten liegt die Viruskonzentration nach wie vor unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut.

Diese Ergebnisse der bisher längsten Studie mit dem geboosterten Proteasehemmer Lopinavir (Kaletra®) zeigen Professor Frank-D. Goebel aus München zufolge, daß eine initiale Therapie Resistenzen langfristig verhindern kann, wenn sie potent genug ist und eine hohe Barriere gegen Resistenzen bietet.

In der offenen, als Phase-II angelegten Studie wurden 100 Patienten zunächst mit verschiedenen Dosierungen von Lopinavir, geboostert mit Ritonavir (Lopinavir/r), jeweils in Kombination mit den Reverse-Transkriptasehemmern 3TC und d4T behandelt. Der Booster Ritonavir hemmt die Enzyme, die Proteasehemmer - in diesem Fall Lopinavir - abbauen. Nach einem Jahr erhielten alle Patienten 400 mg Lopinavir und 100 mg Ritonavir als fixe Kombination, also zweimal täglich drei Kapseln.

  Resistenz gegen Lopinavir ist bisher nur bei drei Kranken aufgetreten.

Alle der 63 noch in der Studie verbliebenen Patienten hatten nach 312 Wochen eine Viruskonzentration unter 400 und 98 Prozent unter 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut. Die Intent-To-Treat-Analyse, in der alle 100 randomisierten Patienten ausgewertet wurden, ergab entsprechende Viruskonzentrationen bei 63 und 62 Prozent der HIV-Infizierten.

Erfreulich sei auch das gute immunologische Ansprechen der Patienten, sagte Goebel auf einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott bei den 10. Münchner Aidstagen. Unabhängig vom Ausgangswert stieg die CD4-Zellzahl nach sechs Jahren im Durchschnitt um 529 Zellen pro Mikroliter Blut.

Nur 13 Prozent der Patienten hätten die Therapie wegen unerwünschter Nebeneffekte abgebrochen. Im Laufe der Studie litten 28 Prozent der Patienten an Diarrhoe, 16 Prozent an Übelkeit und 10 Prozent an abdominalen Schmerzen. Nach 312 Wochen Behandlung berichtete jedoch kein Patient mehr von diesen unerwünschten Wirkungen. Zu diesem Zeitpunkt trat bei insgesamt 11 Prozent der Patienten eine Lipodystrophie auf.

Auch sechs Jahre nach einer Behandlung mit Lopinavir/r könne, wie in allen anderen Studien mit diesem Proteasehemmer auch, keine Resistenz gegen die geboosterte Substanz nachgewiesen werden, berichtete Goebel. In der klinischen Praxis sei weltweit bisher nur bei drei Patienten eine Resistenz gegen Lopinavir aufgetreten.

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