Ärzte Zeitung, 01.12.2004

Immer mehr Frauen HIV-infiziert

Der Welt-Aids-Tag steht aus gutem Grund unter dem Motto "Frauen, Mädchen, HIV und Aids"

NEU-ISENBURG (ple). In diesem Jahr steht der Welt-Aids-Tag ganz im Zeichen der HIV-Infektion bei Frauen und Mädchen. Etwa 400 Frauen infizieren sich in Deutschland jährlich mit HIV, in West- und Mitteleuropa sind es 160 000.

Zwar ist in Deutschland der Anteil der sich jährlich mit HIV neu infizierenden Frauen seit einigen Jahren in etwa konstant geblieben. Doch hat sich die Häufigkeit der Infektionen bei den Übertragungswegen unterschiedlich entwickelt. So ging zum Beispiel der Anteil der Frauen, die sich beim intravenösen Drogengebrauch infiziert haben, von 19 Prozent im Jahr 1993 auf 9 Prozent in diesem Jahr zurück. Auch der Anteil der Frauen, bei denen als Infektionsrisiko heterosexuelle Kontakte angegeben wurden, ist leicht gesunken, und zwar von 26 Prozent 1993 auf 23 Prozent 2004.

Bis zu 40 Millionen Menschen sind HIV-infiziert
Mit fast 26 Millionen HIV-Infizierten bleibt das südliche Afrika die von der HIV-Pandemie am stärksten betroffene Region der Erde.

Eine ganz andere Entwicklung ist dagegen bei Frauen aus Ländern mit hohem Infektionsrisiko zu verzeichnen. Denn der Anteil der Frauen aus Ländern südlich der Sahara, aus Südostasien und der Karibik ist gestiegen: im selben Zeitraum von 14 Prozent auf heute 48 Prozent. Doch mit mehr als 25 Millionen HIV-Infizierten bleibt Afrika südlich der Sahara die von HIV am stärksten betroffene Region. Und der größte Anteil HIV-Infizierter Frauen und Mädchen lebt dort: 57 Prozent aller HIV-Infizierten sind Frauen.

Das Problem besteht vor allem darin, daß - wie aus einem UNICEF-Bericht hervorgeht - bis zu 50 Prozent der jungen Frauen in Hochrisiko-Regionen der Welt völlig unzureichend über Aids informiert sind, etwa in Kamerun, Lesotho, Senegal oder Vietnam. Um Aids unter Kontrolle bringen zu können, müsse die Infektionsrate gerade bei Frauen und Mädchen drastisch gesenkt werden, so UNAIDS, ein Zusammenschluß von neun Organisationen der Vereinten Nationen. Dazu seien neue Präventionsprogramme erforderlich. Die bisherigen hätten versagt.

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