Ärzte Zeitung, 13.01.2005

Proteasehemmer erhöht die Triglyzeride, aber auch das HDL

Studie ergab HDL-Anstieg um 35 Prozent mit Fosamprenavir bei HIV-infizierten Patienten / PROCAM-Score sollte für Therapiewahl genutzt werden

MÜNCHEN (nsi). Der neue Proteasehemmer Fosamprenavir erhöht aktuellen Studiendaten zu Folge kaum das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen - zumindest nicht in einem Zeitraum von 120 Wochen. Auch die Häufigkeit der Lipoatrophie nimmt in diesem Zeitraum klinischen Untersuchungen zu Folge nicht zu.

Fosamprenavir ist seit Juli vergangenen Jahres als Telzir® in Europa zugelassen. Die neue Substanz sei eine interessante neue Option für die Behandlung von noch unbehandelten und auch von antiretroviral vorbehandelten Patienten mit HIV-Infektion, folgert Dr. Stefan Mauss vom Zentrum für HIV und Hepatogastroenterologie in Düsseldorf aus Studienergebnissen, die im Herbst vergangenen Jahres publiziert wurden.

Anstieg der Blutfettwerte auch mit geboosteter Substanz

Der Einfluß der Proteasehemmer auf den Lipidstoffwechsel sei von Substanz zu Substanz unterschiedlich, sagte Professor Peter Reiss vom Academic Medical Center der Universität Amsterdam bei den Münchner AIDS-Tagen. Wie bei den meisten Proteasehemmern ist auch bei der Einnahme von geboostetem Fosamprenavir (FPV/rtv) ein Anstieg der Blutfettwerte beobachtet worden, vor allem der Triglyzeride, sagte Reiss bei einem Symposium des Unternehmens GlaxoSmithKline.

Zugleich sei aber bei den Patienten im FPV/rtv-Arm der SOLO-Studie (Vergleichsarm: Nelfinavir, alle Patienten erhielten Abacavir plus Lamivudin) die mittlere Konzentration des HDL kontinuierlich angestiegen und habe nach 96 und 120 Wochen Behandlung um durchschnittlich 35 Prozent über den Ausgangswerten gelegen.

Verhältnis der Triglyzeride zu HDL bleibt stabil

Das Verhältnis der Triglyzeride zu HDL sei stabil geblieben und die antiretrovirale Wirksamkeit von Fosamprenavir/rtv unverändert gut. "Es ist möglich, daß eine Erhöhung des HDL bei einer Behandlung mit FPV/rtv die ungünstigen kardiovaskulären Effekte des ebenfalls unter der Therapie erhöhten LDL kompensieren könnte", kommentierte Mauss.

Eine umfangreiche Auswertung der Daten über Fettstoffwechseländerungen in der SOLO-Studie läuft noch. Mauss empfahl, auch den international anerkannten PROCAM-Score zu Hilfe zu nehmen, um das individuelle kardiovaskuläre Risiko abschätzen und bei der Therapieempfehlung berücksichtigen zu können.

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