Ärzte Zeitung, 28.01.2005

Resistenzmuster geben bei HIV die Behandlung vor

Virusresistenzen können auch künftige Mittel betreffen

MÜNCHEN (nsi). Weil bei einer HIV-Therapie Resistenzen auftreten, sollte außer Wirksamkeit und Verträglichkeit auch das Kreuzresistenzpotenzial bei der Wahl des initialen Therapieregimes berücksichtigt werden.

Basis einer modernen HIV-Therapie von zuvor nicht behandelten Patienten sind zwei nukleosidische Hemmer der Reversen Transkriptase (NRTI), die mit einem nicht-nukleosidischen Hemmer des Enzyms (NNRTI) oder einem geboosteten Protease-Hemmer (PI) - also plus niedrig-dosiertem Ritonavir - kombiniert werden. Einige NRTI-Kombinationen induzieren aber bei virologischem Versagen Resistenzen nicht nur gegen die aktuell verwendeten Mittel, sondern auch gegen mögliche Folgemedikamente.

    Mutationen verringern die Wirksamkeit.
   

Das hat Dr. Mounir Ait-Khaled vom europäischen Infectious Diseases Medicines Development Centre bei den Münchener Aids-Tagen deutlich gemacht. Basis einer hochaktiven antiretroviralen Therapie seien etwa Zidovudin (AZT) plus Lamivudin (3TC), Abacavir (ABC) plus Lamivudin oder die Kombination aus Tenofovir (TDF) mit 3TC oder Emtricitabin (FTC). Unter diesen Kombinationen können zwar - bedingt durch den FTC- oder 3TC-Anteil - M184V-Mutanten selektiert werden. Diese Mutation ruft jedoch keine nennenswerte Kreuzresistenz zwischen den NRTI hervor.

Anders bei der Kombination TDF/3TC als Basis. Bei virologischem Versagen würden häufig K65R-Mutationen nachgewiesen, so der Forscher bei einer Veranstaltung des Unternehmens GlaxoSmithKline. Die Mutation K65R sei mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber TDF, ddI (Didanosin), 3TC, FTC, ABC und vermutlich auch d4T (Stavudin) assoziiert. AZT bleibe dann die einzig vollwirksame Nachfolge-Option unter den NRTI.

Sehr gut untersucht in Bezug auf das zu erwartende Resistenzmuster ist nach Angaben des Infektiologen die Kombination ABC/3TC, welche als Fixkombination auf dem Markt ist (Kivexa®, 600 mg Abacavir/300 mg Lamivudin).

Genotypisierungen in vier großen, randomisierten Studien mit mehr als 1500 Patienten haben ergeben, daß nach virologischem Versagen unter ABC/3TC in Kombination mit einem NNRTI oder einem geboosteten PI vor allem die Mutation M184V auftritt. Mit sehr niedriger Inzidenz (maximal zwölf Prozent) seien L74V-Mutanten selektioniert worden (Kreuzresistenz gegenüber ddI). Die K65R-Mutation sei nur bei einem einzigen Patienten aufgetreten.

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