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Ärzte Zeitung, 15.06.2005

Saquinavir erleichtert HIV-Therapie mit zwei Proteasehemmern

Neue Formulierung hilft, die Tablettenzahl pro Tag zu reduzieren / Verstärkung der Wirkung durch niedrigdosiertes Ritonavir

BERLIN (gvg). Die antiretrovirale Kombitherapie mit zwei Proteasehemmern (PI) gewinnt bei HIV-Spezialisten zunehmend Anhänger. Eine neue Formulierung des PI Saquinavir prädestiniert die Substanz zum Partner in dieser Strategie.

Saquinavir ist jetzt, wie berichtet, als 500-Milligramm-Filmtablette (Invirase® 500 mg) erhältlich. Die neue Formulierung reduziert die Zahl der einzunehmenden Tabletten in der Standarddosierung von zweimal täglich fünf Kapseln à 200 Milligramm auf zweimal täglich zwei Filmtabletten à 500 Milligramm. Dazu kommen noch, wie bei allen PI, zweimal täglich 100 Milligramm Ritonavir zur Verstärkung der Wirkung.

Durch häufigere Resistenzen des HI-Virus gegen nukleosidische und nicht-nukleosidische Hemmstoffe des Virusenzyms Reverse Transkriptase komme der Doppel-PI-Therapie, bei der zwei verschiedene Proteasehemmer mit weiteren antiretroviralen Wirkstoffen kombiniert werden, immer größere Bedeutung zu. Darauf hat Professor Schlomo Staszewski von der Uni Frankfurt am Main hingewiesen.

Saquinavir sei hierfür als Partner besonders geeignet, weil es beim Substanzabbau in der Leber nicht zu Interaktionen mit anderen Präparaten führe, und weil es sich beim Resistenzspektrum mit den anderen PI nicht zu sehr überlappe, so der HIV-Therapeut auf der Veranstaltung des Unternehmens Hoffmann-La Roche in Berlin.

Die Kombination zweier PI wirkt sich günstig auf die Wirkspiegel der verwendeten Substanzen aus. Zum einen wirkt die Boosterung - die Wirkverstärkung - durch die obligaten 100 Milligramm Ritonavir auf beide Substanzen. Zum anderen kommt es zwischen den beiden voll dosierten Proteasehemmern ihrerseits zu einer Wirkverstärkung.

Der Labormediziner Privatdozent Dr. Michael Kurowski aus Berlin veranschaulichte das am Beispiel der gemeinsamen Therapie mit Saquinavir und Atazanavir: Verglichen mit einer Therapie, bei der mit Ritonavir geboostertes Saquinavir als einziger PI eingenommen wird, vergrößert sich die Fläche unter der Zeit-Konzentrationskurve von Saquinavir als Maß für den Plasmagehalt der Substanz um etwa ein Drittel, wenn zusätzlich Atazanavir eingenommen wird.

Weil in der neuen Formulierung von Saquinavir pro Standarddosis nur noch zwei Tabletten nötig sind, entschärft sich auch das bei Doppel-PI-Strategien auftretende Problem großer Tablettenzahlen. Von der Pharmakodynamik her sei Saquinavir sogar für die einmal tägliche Einnahme geeignet, so Kurowski .

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