Ärzte Zeitung, 06.09.2005

Mit Atazanavir haben HIV-Kranke weniger Durchfall

Lipidprofil günstig beeinflußt

KÖLN (awa). Bei der Auswahl der HIV-Medikamente stehen außer der antiretroviralen Wirksamkeit zunehmend Verträglichkeit und Einfachheit der Einnahme im Vordergrund. Der mit Ritonavir verstärkte Proteasehemmer Atazanavir (Atazanavir/r) kann diese Kriterien erfüllen.

Die Therapie mit dem Protease-Hemmer ist mit einmal täglich drei Kapseln einfach, das Lipidprofil ist günstig und gastrointestinale unerwünschte Wirkungen wie Durchfall sind nicht so häufig. "Bei der heutigen HIV-Therapie geht es nicht mehr nur darum, die Patienten zu behandeln, sondern die hochwirksamen Medikamente so einzusetzen, daß Komplikationen vermieden und die Akzeptanz der Therapie verbessert werden", beschrieb Dr. Holger Jens Gellermann aus Hamburg die Fortschritte in der HIV-Therapie.

Gellermann berichtete darüber in Köln auf einer von Bristol-Myers Squibb ausgerichteten Veranstaltung aus Anlaß des 15. Workshops der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ). Nach wie vor sei aber die Toxizität der Medikamente ein häufiger Grund für die Umstellung der HIV-Therapie. Dabei stehen Übelkeit, gefolgt von Diarrhoe, Erbrechen und anderen gastrointestinalen Störungen an erster Stelle.

Für die Anwendung von Atazanavir/r (Reyataz®) bei zuvor behandelten Patienten spreche deshalb unter anderem die geringe Rate gastrointestinaler unerwünschter Wirkungen, betonte Gellermann. Atazanavir/r sei in einer kontrollierten Studie mit dem Protease-Hemmer PI Lopinavir/r als Vergleichspräparat jeweils in Kombination mit zwei weiteren HIV-Medikamenten nach 48 Wochen ähnlich wirksam gewesen, habe jedoch signifikant weniger Durchfälle verursacht.

Auch das Lipidprofil von Atazanavir/r war Gellermann zufolge in dieser Studie günstiger: Unter Atazanavir/r mußten acht Prozent der Patienten lipidsenkende Statine oder Fibrate einnehmen, unter Lopinavir/r waren es 19 Prozent. Eine mögliche Erklärung des günstigen metabolischen Profils von Atazanavir könne sein, daß die Substanz auch im Vergleich zu anderen Protease-Hemmern einen geringen oder gar keinen Einfluß auf Enzyme des Fettstoffwechsels etwa in Adipozyten und Leberzellen hat. Für Gellermann ist die einmal tägliche Einnahme ein weiterer Vorteil von Atazanavir.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »