Ärzte Zeitung, 03.02.2006

KOMMENTAR

Vision mit Wermutstropfen

Von Peter Leiner

Die Nachricht im vergangenen Jahr, daß es in einer Pilotstudie mit HIV-Infizierten erstmals gelungen ist, den Aids-Erreger aus deren Körper zu eliminieren, hat große Hoffnungen geweckt. Auch unter einigen HIV-Therapeuten wie Dr. Hans Jäger aus München. Sie glauben, daß es möglich sein wird, vielleicht schon in zehn Jahren HIV-Infizierte heilen zu können.

Diese Vision, gestützt auf erste klinische Erfahrungen, stimmt natürlich hoffnungsvoll. Es könnten aber daraus leicht von manchen Menschen falsche Konsequenzen gezogen werden.

Die schon jetzt zu beobachtende Einstellung mancher zur Infektion, HIV nicht mehr so bedrohlich zu empfinden wie früher, weil es doch inzwischen sehr wirksame Medikamente gibt, könnte noch verstärkt werden - nach dem Motto: Es ist egal, ob ich mich anstecke, die Infektion ist ja nicht mehr tödlich, ich kann damit lange leben.

Dies würde allen noch immer dringend erforderlichen Bemühungen zuwiderlaufen, die HIV-Ausbreitung einzudämmen. Die Perspektive einer Heilung HIV-Infizierter erfordert nun doppelte Anstrengungen, um zu verhindern, daß wieder mehr Menschen bei sexuellen Aktivitäten leichtfertig werden und sich nicht schützen.

Lesen Sie dazu auch:
In zehn Jahren könnte Heilung HIV-Infizierter möglich sein

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