Ärzte Zeitung, 07.02.2006

Virustatika können Drogenrausch verstärken

Viele HIV-Infizierte konsumieren Ecstasy, Amphetamine oder Cannabis / Wechselwirkungen mit antiviralen Mitteln

MÜNCHEN (nsi). Partydrogen und die Wirkstoffe einer antiretroviralen Therapie (ART) gegen HIV haben viele Wechselwirkungen. Das kann die Wirksamkeit von ART mindern, aber auch zu gefährlichen, manchmal lebensgefährlichen Effekten der psychotropen Substanzen führen.

Ecstasy-Tabletten werden häufig von jungen Leuten aus der Partyszene konsumiert. Foto: dpa

Jeder HIV-Infizierte sollte bei der Therapie grundsätzlich auf den Konsum von Partydrogen angesprochen werden, fordert Dr. Jörg Gölz aus Berlin. Das gelte vor allem für junge, schwule Männer, die häufig in der Partyszene aktiv sind, aber auch für substituierte Patienten mit zusätzlichem Drogenkonsum. Das Problem werde unterschätzt, so der Arzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Suchtmedizin bei den 11. Münchner AIDS-Tagen.

Besonders häufig träten Wechselwirkungen zwischen Partydrogen und nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NNRTI) und Protease-Hemmern (PI) auf. Denn PI und NNRTI erhöhten in Kombination mit Partydrogen die Konzentrationen der Nervenbotenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und wirkten damit synergistisch zu den Drogen.

Statt besserer Kontaktfähigkeit, körperlichem Wohlbefinden und gesteigerter sexueller Lust erlebten die Drogen-Konsumenten dann häufig Angstzustände, Derealisation mit manchmal lebensbedrohlichen Folgen, Aggressivität, Depressivität oder Schlafstörungen.

So verstärkten NNRTI und PI in unterschiedlichem Maße die Effekte von Ecstasy, Amphetaminen wie Ice, Crystal oder Speed, aber auch von Ketaminen und Benzodiazepinen. Bei der Kombination von Cannabis mit Atazanavir, Lopinavir oder Fosamprenavir hätten Patienten über schwere Amnesien berichtet, vergleichbar den Symptomen bei einem Alkohol-Vollrausch. Zudem könnten Drogen die Wirkspiegel der NNRTI senken und damit Resistenzen fördern.

Gölz rät, Patienten auf die gefährlichen Wechselwirkungen hinzuweisen. Ist Abstinenz nicht möglich, sollten Patienten die Drogen erst einmal in halber Dosis zu Hause ausprobieren. Bei Konsum sollte eine vertraute Person zugegen sein. Es sollte nur eine Sorte von Drogen verwendet werden, und die Patienten sollten möglichst wenig Alkohol trinken, da größere Mengen zu zusätzlichen, unkalkulierbaren Risiken führen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »