Ärzte Zeitung, 08.02.2006

Zahl der älteren Menschen mit HIV steigt

MÜNCHEN (sto). Der Anteil von Patienten über 50 Jahre mit einer neudiagnostizierten HIV-Infektion steigt. Dank der antiretroviralen Therapie nimmt aber auch die Lebenserwartung HIV-Positiver zu, so daß es insgesamt immer mehr ältere Menschen mit HIV und Aids gibt.

In Deutschland sei bereits jeder fünfte Patient mit Aids älter als 50 Jahre, so Dr. Arne Kroidl von der Universität Düsseldorf bei den 11. Münchner Aids-Tagen. Das Problem dabei: Weil ältere Patienten meist nicht in klinische Studien aufgenommen werden, gibt es für diese Patienten nur wenig Daten für Dosierungsempfehlungen antiretroviraler Substanzen und zu deren Nebenwirkungspotential.

Hinzu kommt, daß eine HIV-Infektion bei Älteren häufig später als bei Jüngeren diagnostiziert wird, so daß auch die Therapie später beginnt. Mögliche Gründe, so Kroidl: Differentialdiagnostisch werde bei Älteren seltener an eine HIV-Infektion gedacht. Auch könnten Symptome einer HIV-Infektion oder opportunistischer Erkrankungen leicht mit denen anderer Krankheiten verwechselt werden, die bei Älteren häufiger sind.

Die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) ist aber auch bei älteren Patienten wirksam, wie eine US-Studie belegt. In ihr wurden retrospektiv 253 HIV-Infizierte über 50 Jahre mit 535 jüngeren Patienten verglichen. Dabei wurden in der Gruppe der Älteren mit 20 Prozent mehr Todesfälle innerhalb von drei Jahren registriert als in der Gruppe der jüngeren (zwölf Prozent). Die Überlebenswahrscheinlichkeit sei jedoch nur für Patienten ohne HAART signifikant verschieden gewesen, so Kroidl.

Zwar gebe es keine kontrollierten Langzeitstudien, in denen ein früher oder später Therapiebeginn bei älteren HIV-Infizierten geprüft worden sei, so Kroidl. Es gebe aber einige Punkte, die für eine großzügigere Indikation für eine antiretrovirale Therapie bei den Patienten sprechen.

Dazu gehöre nicht nur das höhere Risiko einer Progression bei Älteren, sondern auch die im Alter verminderte CD4-Zell-Rekonstitution unter der Therapie. Zudem bestehe die Hoffnung, daß neue Therapien mit besser verträglichen Substanzen sich auch für Ältere positiv auswirken.

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