Ärzte Zeitung, 18.05.2006

Mitunter starke Immunreaktion auf HIV-Therapie

Das Befinden kann sich vorübergehend verschlechtern / Ursache meist subklinische opportunistische Infektion

HANNOVER (wst). Bis zu 30 Prozent aller HIV-Infizierten im fortgeschrittenen Stadium berichten Tage bis wenige Monate nach einer erstmals begonnenen hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) über eine Verschlechterung ihres Befindens.

Die Patienten haben Zeichen einer akuten Infektion, obwohl die Medikamente zunächst gut verträglich sind und die Laborkontrolle bestätigt, daß die Arzneien wirksam sind. Verschlechtere sich während einer HIV-Therapie zunächst das Befinden, sollte an ein immunrekonstitutionelles inflammatorisches Syndrom (IRIS) gedacht werden, sagte Dr. Hans Heiken von der Medizinischen Hochschule Hannover.

IRIS ist ein Sammelbegriff für überschießende Entzündungsreaktionen, die sowohl eine infektiöse als auch nicht infektiöse Ursache haben können. Die Reaktionen können auftreten, wenn etwa ein erheblich geschwächtes Immunsystem plötzlich wieder erstarkt. IRIS komme aber nicht nur bei HIV-Patienten mit erfolgreicher HAART vor, sondern auch bei anderen Patienten - etwa nach dem Ende einer Chemotherapie oder wenn eine immunsuppressive Behandlung unterbrochen werde.

Häufigster Auslöser eines IRIS bei neu begonnener HAART ist eine subklinische opportunistische Infektion, etwa eine Zytomegalie. Gegebenenfalls sollte die Infektion spezifiziert werden und eine zielgerichtete Therapie erfolgen. Zusätzlich sei symptomatisch mit NSAR und eventuell mit einer befristeten immunsuppressiven Therapie gegen das Entzündungssyndrom zu therapieren. HAART selbst solle nach Möglichkeit fortgeführt werden, betonte Heiken auf einer Aids-Tagung in München.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »