Ärzte Zeitung, 08.06.2006

1:0 - Sieg für die Aids-Aufklärung

Benefiz-Fußballturnier / Aktion von GlaxoSmithKline und der Deutschen Aids-Stiftung

Von Friederike Krieger

Dem Thema Fußball kann man sich derzeit kaum entziehen. Ob in der Werbung, im Einzelhandel oder in den Nachrichten - angesichts der morgen beginnenden Weltmeisterschaft in Deutschland ist es überall präsent. Die Präventionsarbeit gegen Aids bildet da keine Ausnahme. So haben auch die Veranstalter der Kampagne "Anpfiff gegen Aids" das Thema auserkoren, um das HI-Virus wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Der 1. FC Kaiserslautern ist Sieger des Benefizturniers

Herzstück der Aktion, die das Pharma-Unternehmen GlaxoSmithKline, die Deutsche Aids-Stiftung, die Stadt Münster und der SC Preußen 06 Münster ausgerichtet haben, war ein Fußballturnier am Pfingstwochenende in Münster. Zu dem Benefiz-Pokalspiel hatte der SC Preußen Münster den FC Bayern München, den Vfl Bochum, den SC Freiburg, Bayern 04 Leverkusen, Arminia Bielefeld, den 1. FC Kaiserslautern und den VfB Eppingen eingeladen.

Gehalten! Mannschaften wie die von SC Preußen 06 Münster, VfB Bochum, Bayern München und andere traten in Münster gegeneinander an. Foto: "Anpfiff gegen Aids"

Etwa 10 000 Euro kamen im Umfeld des Turniers, aus dem der FC Kaiserslautern siegreich hervorging, durch Spenden zusammen. Die gesamten Einnahmen sollen der Hilfsorganisation HOPE zugute kommen, die gegen die Ausbreitung von Aids in Südafrika kämpft.

Die Veranstalter verfolgten mit ihrer Kampagne eine Doppelstrategie: Einerseits ging es um die Hilfe für Südafrika, dem Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate der Welt und Austragungsort der nächsten Fußball-WM in vier Jahren. Andererseits ging es um Aufklärung in einem Land, das entgegen dem weltweiten Trend seit dem Jahr 2000 wieder steigende Neuinfektionsraten zu verzeichnen hat: Deutschland.

Aufklärung erreicht heute nicht mehr so viele Menschen

"Aids hat heute kein Gesicht mehr", erklärte Dr. Heribert Knechten, Gründer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ), auf einer Podiumsdiskussion zu der Kampagne. Dank besserer Medikamente könnten die Betroffenen heute wesentlich länger überleben als noch in den 80er Jahren, und man würde ihnen die Krankheit auch nicht mehr direkt ansehen. Das verleite vor allem viele Jugendliche zu einem allzu sorglosen Verhalten.

"Viele erliegen dem Irrglauben, daß es bald ein Heilmittel gegen Aids geben wird, so daß es nicht mehr so schlimm ist, sich zu infizieren", sagte auch Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Zudem sei das Thema aus den Publikumsmedien verschwunden. Wenn über Aids berichtet werde, betreffe das meist Afrika, so daß die Krankheit vorrangig als Problem der Dritten Welt wahrgenommen werde. Die Aufklärungsarbeit der BZgA erreiche seit dem Wegfall der Möglichkeit, kostenlos Werbespots im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu senden, auch immer weniger Menschen. "Wir brauchen neue Allianzen und Partnerschaften", erklärte Pott.

Die Idee, Fußball und Aids-Prävention öffentlichkeitswirksam zu verbinden, stammt ursprünglich von dem Arzneimittel-Hersteller. Er will die Aktion auch nach der WM in Deutschland weiterführen. "Wir wollen bis zur nächsten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika eine Brücke schlagen", sagte Dr. Jürgen Pepper aus der Geschäftsleitung von Glaxo-SmithKline Deutschland. Bis 2010 soll jährlich eine Aktion wie das Benefizspiel in Münster stattfinden. "Wir hoffen, auch aktive Nationalspieler für unsere Sache gewinnen zu können", sagte Pepper.

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