Ärzte Zeitung, 01.12.2006

THERAPIE-STANDARD

Große Wirkstoff-Palette sichert Therapie-Erfolg

Präparate aus vier Klassen stehen zur Verfügung / Dreifach-Kombinationen gelten immer noch als Goldstandard

Die seit zehn Jahren verfügbaren Medikamente für eine hochaktive antiretrovirale Behandlung haben dazu beigetragen, daß Infizierte lange Jahre weitgehend symptomlos leben können. Die Palette an Medikamenten ist inzwischen auf mehr als 20 Mittel gewachsen.

Eine Apothekerin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) verabreicht Medikamente an eine HIV-positive Patientin in Nairobi. Foto: Jun Aoki/MSF

Die Prognose von HIV-Infizierten hat sich durch die effizientere medikamentöse Versorgung im Vergleich zum Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Dekaden drastisch verbessert.

Gegen HIV in Deutschland zugelassene Medikamente
Nukleosid-Analoga
Falsche Nukleinsäure-Bausteine, die das Enzym Reverse Transkriptase hemmen
Abacavir
(Ziagen®)
Didanosin
(Videx®)
Emtricitabin
(Emtriva®)
Lamivudin
(Epivir®)
Stavudin
(Zerit®)
Zalcitabin
(Hivid®)
Zidovudin (Retrovir®)
Nukleosid-Analoga in Kombinationen
Lamivudin plus Zidovudin
(Combivir®)
Lamivudin plus Zidovudin plus Abacavir
(Trizivir®)
Lamivudin plus Abacavir
(Kivexa®)
Tenofovir plus Emtricitabin (Truvada®)
Nukleotid-Analogon
Hemmt das gleiche HIV-Enzym wie die Nukleosid-Analoga
Tenofovir (Viread®)
Nicht-Nukleosid-Analoga
Binden direkt an das Enzym Reverse Transkriptase
Efavirenz (Sustiva®)
Nevirapin (Viramune®)
Fusionshemmer
Verhindert das Andocken von HIV an die Zellen
Enfuvirtid (Fuzeon®)
Protease-Hemmer
HIV-Zusammenbau wird durch Hemmung der Protease blockiert
Amprenavir (Agenerase®)
Atazanavir (Reyataz®)
Fosamprenavir (Telzir®)
Indinavir (Crixivan®)
Lopinavir plus Ritonavir (Kaletra®)
Nelfinavir (Viracept®)
Ritonavir (Norvir®)
Saquinavir (Invirase®, Fortovase®)
Tipranavir (Aptivus®)
Quelle: modifiziert nach Salzberger, Stand: November 2006,
Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Wirkstoffe gegen HIV richten sich inzwischen auf drei Ziele: die Revers Transkriptase, die Protease und das Eindringen.

Durch die in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig gestiegene Zahl von Medikamenten gegen den Aids-Erreger HIV ist die Behandlung der Infizierten aber auch komplizierter. Zur Verfügung stehen inzwischen gegen HIV wirksame Medikamente, die vier unterschiedlichen Klassen zugeordnet werden:

  • nukleosid-/nukleotidartige Hemmer der Reverse Transkriptase,
  • nichtnukleosidartige Hemmstoffe der Reverse Transkriptase,
  • Hemmer des Enzyms Protease,
  • Fusions-Hemmstoffe, die das Eindringen von HIV verhindern.

Wann der ideale Zeitpunkt ist, bei asymptomatischen Patienten eine antivirale Therapie zu beginnen, ist durch Studien nicht belegt. Das muß immer individuell zwischen Ärzten und Patienten entschieden werden. Doch sollte die Zahl der T-Helferzellen nicht unter 200 pro Mikroliter Blut fallen.

Das Ziel der Therapie ist es, die Viruskonzentration im Blut unter 20 bis 50 HIV-RNA-Kopien/ml abzusenken. Für eine wirksame Initialtherapie stehen diese Optionen zur Verfügung:

  • Die Kombination eines verstärkten Proteasehemmers mit zwei nukleosidanalogen Revers Transkriptase-Hemmern (NRTI),
  • die Kombination eines nicht nukleosidalen Revers Transkriptase-Hemmers mit zwei NRTI, und
  • die Kombination von drei NRTI.

Es gibt inzwischen mehrere Präparate mit einer fixen Kombination aus zwei antiretroviralen Substanzen gegen HIV und ein Präparat mit drei gegen HIV gerichteten Wirkstoffen.

Beurteilt wird der Verlauf der HIV-Erkrankung anhand der HIV-RNA im Blut und der Zahl der T-Helferzellen. Beide Parameter werden im Abstand von zwei bis drei Monaten bestimmt. Plötzliche Anstiege der HIV-RNA oder ein Abfall der Zahl der T-Helferzellen signalisieren, daß die Therapie überprüft werden sollte.

Nach dem Versagen der primären Therapie ist eine Resistenztestung nötig. (Rö)

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