Ärzte Zeitung, 13.04.2007

Hepatitis C verläuft bei HIV-Patienten besonders dramatisch

Spezialist empfiehlt: Indikation zur Therapie gegen Hepatitis C sollte großzügig gestellt werden / Viele HIV-Infizierte haben Leberentzündung

MÜNCHEN (wst). Etwa ein Drittel aller HIV-Infizierten in Europa und Nordamerika hat auch eine chronische Hepatitis C. Da die Lebererkrankung bei den HIV-HCV-Koinfizierten besonders rasch fortschreitet, sollte die Indikation zur Therapie gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) großzügig gestellt werden.

In Deutschland sind etwa 6000 Menschen sowohl mit HIV als auch mit HCV infiziert. Seit Einführung der gegen HIV sehr erfolgreichen hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) steht die mit einer Lebererkrankung assoziierte Letalität mit einem Anteil von 50 Prozent an der Spitze der Todesursachenstatistik stationär betreuter HIV-Kranker. Daran hat Professor Jürgen Rockstroh vom Universitätsklinikum Bonn auf einem Workshop zur 2. Münchner AIDS-Werkstatt erinnert.

Hepatitis C schreitet bei den immungeschwächten HIV-Infizierten deutlich rascher voran als bei HIV-Negativen. So haben 10 bis 15 Jahre nach einer HCV-Infektion bereits 15 bis 25 Prozent aller HIV-HCV-Koinfizierten eine Leberzirrhose, jedoch nur zwei bis sechs Prozent der HIV-Negativen.

Je niedriger die T-Helferzellzahl, desto schneller die Progression der Leberentzündung. Deshalb rät Rockstroh zu einer großzügig indizierten Hepatitis-C-Therapie bei HIV-Positiven. Dauerhafte Ansprechraten von über 50 Prozent seien erreichbar. Besonders erfolgversprechend ist die Therapie bei Patienten, die mit oder ohne HAART mehr als 350 CD4-Zellen/µl Blut und eine Plasma-HIV-RNA-Menge von weniger als 50 000 Kopien/ml haben.

Bei Patienten mit einer T-Helferzellzahl von weniger als 200/µl sollte diese nach Möglichkeit durch eine optimierte HAART erhöht werden, bevor die Hepatitis-C-Therapie begonnen wird. Mittel der Wahl gegen HCV ist auch bei HIV-HCV-Koinfizierten die Kombination von pegyliertem Interferon-alpha und Ribavirin. Das Virustatikum sollte bei Patienten, die mit den Genotypen 1 und 4 infiziert sind, höher dosiert werden als bei Patienten, die sich mit den Genotypen 2 oder 3 angesteckt haben.

Anders als bei nur mit HCV Infizierten ist bei HIV/HCV-Koinfizierten unabhängig vom Genotyp eine 48-wöchige Therapie angezeigt. Ist nach zwölf Therapiewochen die HCV-RNA nicht unter die Nachweisgrenze oder nicht um mindestens zwei Log-Stufen, also auf ein Prozent gesunken, ist die Therapie als erfolglos anzusehen.

Aufgrund ungünstiger Interaktionen sollte während der Ribavirin-Therapie auf die antiretroviralen Medikamente Zidovudin, Didanosin und Stavudin nach Möglichkeit verzichtet werden, betonte Rockstroh.

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