Ärzte Zeitung, 19.04.2007

Frühe HIV-Therapie schützt Sexualpartner

Bei unbehandelten Infizierten ist das Übertragungsrisiko achtmal höher als bei antiretroviraler Behandlung

WIESBADEN (nsi). Hausärzte haben eine zentrale Bedeutung, den Weg zu einer frühen Diagnose von HIV-Infektionen zu ebnen. An diese Verantwortung erinnerte Dr. Jörg Gölz, HIV-Experte aus Berlin.

"Wenn Sie einen Patienten haben mit Fieber, Lymphknotenschwellung und Hautausschlag, und diese Symptome innerhalb von einigen Tagen verschwinden und dann wieder auftreten, dann sollten Sie auch an eine HIV-Infektion denken", appellierte Gölz an die Kollegen. Dann gelte es im Gespräch mit dem Patienten zu klären, wie hoch sein Ansteckungsrisiko in den vergangenen Wochen und Monaten gewesen ist. Bei Migranten sei auch die HIV-Prävalenz im Herkunftsland zu berücksichtigen.

In Deutschland leben vermutlich 10 000 bis 18 000 Menschen mit dem HI-Virus, ohne dass die HIV-Infektion bekannt sei, hieß es auf der von dem Unternehmen Gilead unterstützten Veranstaltung. Die Risiken einer unerkannten HIV-Infektion sind klar: Wer nicht weiß, dass er infiziert ist, gibt das Virus eher an Sexualpartner weiter. Jährlich gibt es in Deutschland etwa 2600 Neuinfektionen.

Dr. Thomas Buhk vom Infektionsmedizinischen Centrum in Hamburg wies auf aktuelle Daten einer kanadischen Untersuchung hin: Die Hälfte der HI-Viren, die zwischen Männern übertragen werden, stammen von frisch Infizierten, die nichts über ihren HIV-Status wissen.

Professor Mark Wainberg vom Aids-Zentrum der McGill Universität in Montreal hatte bei 2500 HIV-Patienten acht Jahre Daten erhoben. Er hat errechnet, dass neu Infizierte acht Mal leichter das Virus übertragen als Männer, die antiretrovirale Medikamente einnehmen (Journal of Infectious Diseases 195, 2007, 951).

Die antiretrovirale Behandlung müsse früher beginnen, um das Risiko einer Übertragung auf Sexualpartner zu verringern, forderte Buhk. Zur Therapie stehen inzwischen auch Fixkombinationen zur Verfügung, die die Zahl der täglich einzunehmenden Tabletten verringerten und dadurch die Compliance der Patienten förderten. Dazu gehört zum Beispiel die Kombination aus dem NtRTI Tenofovir und dem nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmer Emtricitabin (Truvada).

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