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Ärzte Zeitung, 25.05.2007

Menschen in Uganda engagieren sich gegen Aids

Erst hat der Bürgerkrieg das Land heimgesucht, dann kam die Pandemie / Aufklärung steht noch am Anfang

GULU, UGANDA . Das Acholi-Volk in Norduganda bestattet seine Toten nicht auf Friedhöfen. Die Toten werden dort begraben, wo die Menschen auch leben: Cecilia Amge hat die Gräber ihres Sohnes und ihrer Tochter auf der Freifläche zwischen ihren beiden Hütten angelegt. Ihr Sohn wurde vor mehr als zehn Jahren von Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) getötet, ihre Tochter starb an Aids.

Von Tia Goldenberg

Das Land wird nach 20 Jahren Bürgerkrieg langsam befriedet. Die Menschen im Norden Ugandas hoffen auf ein neues Leben in Frieden. Zudem müssen sie mit den Folgen der Aids-Pandemie fertig werden.

Aids hat eine ganze Generation ausgelöscht

Nachdem Amges Tochter Betty gestorben war, zogen sechs ihrer Enkel zu ihr. "Keiner hilft mir, die Kinder groß zu ziehen. Ich habe kein Geld, ihnen Essen zu kaufen oder ihr Schulgeld zu bezahlen", erklärt die 63-Jährige. "Ich bin auf sie angewiesen. Sie müssen Mais und Maniok anbauen und verkaufen, damit wir überleben können."

Die schnelle Ausbreitung von Aids hat eine ganze Generation ausgelöscht. Großeltern müssen nun für ihre Enkel sorgen. Aber die Lage ist in dem Konfliktgebiet noch um einiges schlimmer. Erst jetzt ist es dort friedlich, aber in den zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg wurden Zehntausende Menschen getötet und mehr als eine Million Menschen vertrieben. Je länger der Konflikt in dieser verzweifelt armen Region andauerte, desto mehr breitete sich Aids aus. Der Distrikt Gulu, wo Amge und ihre Enkel in zwei Lehmhütten mit Grasdach leben, weist eine der höchsten Infektionsraten des Landes auf.

"Wenn du ein Kriegsflüchtling bist, hast du ein geringes Einkommen. Dann kommt noch Aids hinzu und du kannst gar nicht mehr für dich sorgen. Das ist schlimm", sagt Grace Okello. Sie arbeitet für ein Aids-Projekt der Hilfsorganisation World Vision. Die HIV-Patienten müssen in die Städte reisen, weil es in den Dörfern keine Hilfe für sie gibt, sagt Okello. Die Flüchtlingslager wurden am schlimmsten vernachlässigt, berichtet die Internationale Organisation für Migration. In den Dutzenden Camps der Region gibt es keine Aids-Beratung, keine Tests und keine Behandlungsmöglichkeit, heißt es in einem Bericht der Organisation.

Ugandas Engagement gegen Aids gilt eigentlich als beispielhaft für Afrika, weil die Infektionsrate landesweit auf 6,7 Prozent gedrückt werden konnte. Doch im Norden ist sie höher. Dort liegt sie bei 8,2 Prozent. Den Menschen ist die Bedrohung noch immer nicht bewusst. Im Flüchtlingscamp Awer gesteht der 76-jährige Lagersprecher Benjamin Obalim: Ich habe keine Ahnung von Aids, ich kann niemanden darüber aufklären", sagte der Mann in seinem düsteren Büro.

Der Krieg hat viele Menschen aus der Bahn geworfen

Seit sich die Sicherheitslage verbessert hat, ist die Zahl der Aufklärungsprogramme gestiegen. In einem Berufsbildungszentrum in der Stadt Gulu lernen Dutzende Schüler, wie man Tore schweißt oder Autos repariert. Jeden Freitagmorgen legen sie ihr Werkzeug nieder, um mehr über Aids zu lernen. "Hier gab es einen so großen Mangel an Bildung. Der Krieg hat viele Menschen aus der Bahn geworfen. Aber jetzt sind wir in der Lage, den jungen Leuten etwas beizubringen und sie auszubilden", sagt der Verwalter des Zentrums, Robert Kilama.

Auch über den Rundfunk wird über die Krankheit informiert

Amges Enkel sagen, sie seien durch den Rundfunk über Aids informiert worden. Der Tod ihrer Mutter liegt nun ein Jahr zurück, sie haben gerade begonnen, sich damit abzufinden. Doch gleichzeitig müssen sie um ihre Sicherheit fürchten. Die LRA und die Regierung haben die Friedensgespräche wieder aufgenommen. Ein brüchiger Waffenstillstand war im August vereinbart worden.

Die Menschen in Norduganda warten ungeduldig auf ein Ergebnis der Gespräche. Sporadisch kommt es zu weiteren Angriffen. "Mein Sohn wurde getötet. Dann starb meine Tochter", sagt Amge. Sie hofft auf eine Zukunft in Frieden für ihre Enkel. "Ich muss auf sie zählen", sagt sie. "Sie sind alles, was ich habe."
(dpa)

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