Ärzte Zeitung, 29.06.2007

Schutz vor Genitalinfektionen - das könnte HIV-Therapie bewirken

Überraschende Hinweise aus einer deutschen Studie mit homosexuellen Männern

FRANKFURT / MAIN (gvg). Wie wirkt sich eine Therapie gegen HIV auf die Inzidenz anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) aus? Daten aus der KABaSTI-Studie haben Hinweise darauf gebracht, dass therapierte HIV-Infizierte weniger gefährdet für STI sein könnten als nicht therapierte.

 

Die KABaSTI-Studie, eine Befragung, liefert Daten zur Inzidenz und Prävalenz von STI bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben. Besondere Risikofaktoren waren erwartungsgemäß die Zahl der Geschlechtspartner und die Häufigkeit ungeschützten Analverkehrs.

So war eine neu aufgetretene STI im Jahr vor der Befragung bei jenen Befragten, die häufiger als fünf mal ungeschützten Analverkehr hatten, sieben Mal wahrscheinlicher als bei jenen, die nicht auf diese Quote kamen. Und jene Männer, die über mehr als zehn Geschlechtspartner berichteten, hatten ein fünffach erhöhtes Risiko für eine STI.

"Überraschend war für uns der negative Zusammenhang zwischen STI-Inzidenz und antiretroviraler Therapie bei HIV-positiven MSM", sagte KABaSTI-Studienleiter Axel Schmidt vom Wissenschaftszentrum Berlin. Bisher sei häufig die Ansicht vertreten worden, die antiretrovirale Therapie begünstige das Auftreten von STI, weil sie ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermittle, so Schmidt beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress.

Das kann KABaSTI nicht belegen. Im Gegenteil: "Bei jeder einzelnen bakteriellen STI war die Inzidenzrate bei HIV-positiven ohne antiretrovirale Therapie höher als bei jenen mit antiretroviraler Therapie", sagte Schmidt. Dieser Zusammenhang hielt auch dann, wenn die beiden wichtigsten Störgrößen, nämlich die Zahl der Partner und die Häufigkeit ungeschützten Analverkehrs, statistisch berücksichtigt wurden.

Wie das zu interpretieren ist, kann Schmidt allerdings nicht genau beantworten. Den Aids-Forschern gab er die Frage mit auf den Weg, ob es möglich sei, dass antiretrovirale Medikamente vielleicht auch einen hemmenden Effekt auf bakterielle Infektionen haben könnten.

Weitere Infos zum Aids-Kongress unter www.doeak2007.com

STICHWORT

KABaSTI-Studie

In der KABaSTI-Studie (Knowledge, attitudes and behavior as to sexually transmitted infections) wurde die Häufigkeit von STI bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, untersucht. 6833 Männer füllten einen Fragebogen aus. Sie wurden vor allem über das Internet für die Studie gewonnen. Die Langzeitprävalenz von Gonorrhoe lag bei 16 Prozent, die von Syphilis bei 11 Prozent. Werden die Nutzer von Internet-Portalen herausgerechnet, in denen ungeschützter Analverkehr propagiert wird, liegen die Prävalenzen bei 13 oder 9 Prozent, was für repräsentativ bei MSM erachtet wird. Die Inzidenz bakterieller STI im Jahr vor der Befragung betrug zehn Prozent. Gut zwei Drittel davon waren Gonokokken-Infektionen. Die SyphilisInzidenz lag bei vier Prozent. (gvg)

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