Ärzte Zeitung, 05.07.2007

Fast jeder zweite HIV-Patient hat Depressionen

Antidepressiva und antivirale Therapie vertragen sich gut / Plädoyer für frühen Start mit Stimmungsaufhellern

FRANKFURT / M. (hae). Bei HIV-Infizierten ist die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, besonders groß. Auch hier gilt: Je früher mit einer antidepressiven Behandlung begonnen wird, desto leichter und rascher kann der Patient die seelische Störung überwinden.

Depressionen treten bei jedem dritten HIV-Infizierten mit einer HIV-assoziierten Meningoenzephalitis auf. Foto: Bilderbox

Der Neurologe Professor Ingo Husstedt aus Münster hat die Erfahrung gemacht, dass bereits die HIV-Diagnosestellung Auslöser für eine depressive Episode ist. So berichteten zum Beispiel 85 Prozent der Aids-Therapeuten in den USA über Depressionen bei ihren Patienten, wie Husstedt beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt berichtet hat.

Aufgrund der hohen Lebenszeitprävalenz von Depressionen in der Allgemeinbevölkerung von 12 bis 20 Prozent sei davon auszugehen, dass bei etwa jedem dritten Patienten bestehende oder überstandene Depressionen durch Mitteilen der HIV-Diagnose verstärkt oder reaktiviert werden, so Husstedt bei einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb. Manche gehen sogar davon aus, dass bis zu 40 Prozent der HIV-Infizierten an einer Depression erkranken.

Die wichtigste Differenzialdiagnose sei eine Depression als Bestandteil der HIV-assoziierten Meningoenzephalitis. "Wir stellen diese Diagnose inzwischen bei jedem dritten Patienten", so Husstedt. Davon abzugrenzen seien Drogen- und Medikamentenabusus, Vitaminmangelzustände sowie unerwünschte Arznei-Wirkungen als Ursache der Depression.

Nach Erfahrungen des Neurologen haben sich in der Therapie Antidepressiva wie Duloxetin oder Citalopram als wirksam erwiesen. Solche Medikamente würden auch zusammen mit einer hochaktiven antiretroviralen Therapie gut vertragen. In ihrer Bedeutung eher überschätzt würden die unerwünschten Wirkungen, die in den ersten vier Wochen einer Behandlung mit dem nichtnukleosidischen Transkriptasehemmer Efavirenz (Sustiva®) auftreten können.

Albträume, Müdigkeit oder Schwindel seien meist schwach ausgeprägt und nähmen im Therapieverlauf rasch ab. Husstedt empfahl aber, Patienten zu Therapiebeginn vom Autofahren abzuraten. Andererseits sei Efavirenz wegen seiner guten Liquorgängigkeit eine Basisarznei bei Neuromanifestationen der HIV-Infektion. Ein Tipp: Verbessern lasse sich die Verträglichkeit etwa durch Einnahme vor dem Zubettgehen oder auf nüchternen Magen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »