Ärzte Zeitung, 24.09.2007

Mit Tipranavir gegen multiresistentes HIV

Proteasehemmer unterdrückt langfristig die Virusvermehrung / Kombination mit neuen Substanzen ist möglich

FRANKFURT AM MAIN (awa). Bei bereits intensiv behandelten HIV- Infizierten mit eingeschränkten Therapie-Optionen ist der mit Ritonavir verstärkte Proteasehemmer Tipranavir den herkömmlichen verstärkten Proteasehemmern - als PI/r abgekürzt - überlegen.

Den Therapie-Erfolg mit Tipranavir haben die beiden Phase-III-Studien RESIST 1 und 2 belegt, in denen mehr als 1400 zuvor intensiv behandelte HIV-Infizierte therapiert wurden. Sie hatten bereits Viren, die gegen die drei Hauptklassen der antiretroviralen Therapie resistent waren. Mit den Studien sei belegt worden, dass bei Patienten mit multiresistenten Viren ein neues Medikament die Virusmenge unter 50 pro Milliliter Blut dauerhaft senkt. Darauf hat Dr. Birger Kuhlmann, niedergelassener Arzt in Hannover, auf einer Aids-Konferenz in Frankfurt am Main hingewiesen.

In den Studien lag nach 96 Wochen bei 20 Prozent der Patienten aus der Gruppe mit verstärktem Tipranavir (Aptivus®) die Virusmenge unter 50 HIV-RNA-Kopien - im Vergleich zu neun Prozent in der Kontroll-Gruppe. Patienten dieser Gruppe erhielten die Proteasehemmer Lopinavir/r, Amprenavir/r, Saquinavir/r oder Indinavir/r, jeweils kombiniert mit einer Basistherapie. Enthielt die Basistherapie auch den Fusionshemmer Enfuvirtid, erhöhte sich der Anteil auf 35 und 14 Prozent.

In Zukunft werde es noch weitere neue Substanzen geben, mit denen Tipranavir sich gut kombinieren lasse, sagte Kuhlmann auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim. So belegten erste Daten, dass Tipranavir die Pharmakokinetik des CCR5-Antagonisten Maraviroc und des Integrase-Hemmers Raltegravir, die beide wahrscheinlich demnächst zugelassen werden, kaum beeinflusst und die Substanzen nur wenig Wechselwirkungen eingehen.

Da es aber Arzneien gebe, die bei mehreren Resistenzen noch wirkten, solle eine Therapie-Umstellung bei zuvor Behandelten möglichst früh bei den ersten Zeichen einer wieder auftretenden Virusvermehrung eingeleitet werden, riet Kuhlmann.

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