Ärzte Zeitung, 05.11.2007

Bei der HIV-Früherkennung sind Hausärzte gefragt

Jeder zweite Virusträger in Europa weiß nichts von seiner Infektion / Assoziierte Erkrankungen deuten auf die Infektion hin

MADRID (awa). Mehr als die Hälfte der etwa 2,4 Millionen HIV-Infizierten in Europa wissen nicht, dass sie infiziert sind. Hausärzte können zu einer Früherkennung beitragen, indem sie bei verdächtigen assoziierten Krankheiten den Betroffenen einen HIV-Test anbieten.

Bei typischen Aids-Krankheiten wie opportunistischen Infektionen sollte immer ein HIV-Test erwogen werden, betont Professor Nathan Clumeck aus Brüssel. Er stellte beim Aids-Kongress in Madrid zudem eine Liste mit nicht so typischen Erkrankungen vor, die oft mit HIV-Infektionen assoziiert sind. Dazu gehören sexuell übertragbare Erkrankungen, Pneumonien, die nicht auf Antibiotika ansprechen, aseptische Meningitis, schwerer Herpes Zoster, Analkarzinom, Non-Hodgkin-Lymphom und unspezifische Symptome wie ungeklärtes Fieber, das länger als sieben Tage anhält. Bei solchen Indikator-Erkrankungen sollten Hausärzte ebenfalls an die Möglichkeit einer HIV-Infektion denken und einen Test anbieten, sagte Clumeck. In Europa inklusive den Ländern der ehemaligen Sowjetunion steigt die Zahl der HIV-Infizierten nach WHO-Angaben weiter an. Von den 250 Millionen Europäern im Alter von 18 bis 65 Jahren wissen 1,1 Millionen von ihrer HIV-Infektion und sie werden behandelt, etwa 400 000 erhalten eine antiretrovirale Therapie. Etwa 1,4 Millionen wissen jedoch nicht, dass sie infiziert sind und werden daher erst spät behandelt. "Die Situation ist in Europa zweigeteilt", sagte Professor Jens Lundgren von der Universität Kopenhagen in Dänemark. So sind im Westen 30 Prozent der HIV-Infizierten nicht diagnostiziert. Dort werden die meisten HIV-Infektionen bei Migranten aus Regionen mit hoher Prävalenz wie Afrika gemeldet, die sich in den Heimatländern durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr angesteckt haben. In Osteuropa wissen dagegen 70 Prozent der Betroffenen nichts von ihrer HIV-Infektion. In diesen Ländern werde das Virus hauptsächlich heterosexuell oder bei i.v.-Drogengebrauch übertragen.

Wie ein HIV-Test und eine Beratung in allen europäischen Ländern die Behandlung von HIV-Infizierten verbessern kann, soll Ende November auf einem Kongress in Brüssel diskutiert werden. Teilnehmen werden HIV-Experten und Vertreter von UN- und EU-Organisationen und nationale Gesundheitspolitiker.

Weitere Informationen zur Tagung in Brüssel: www.hiveurope2007.eu

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