Ärzte Zeitung, 21.01.2008

Von neuer HIV-Arznei profitieren auch Ältere

Integrasehemmer Raltegravir gut mit gebräuchlichen Arzneien kombinierbar / Einnahme zweimal täglich von Mahlzeit unabhängig

BERLIN (awa). Der Integrasehemmer Raltegravir hat eine vorteilhafte Pharmakokinetik: Er wird nicht über Cytochrom P450 verstoffwechselt. Das Präparat ist mit allen gebräuchlichen Arzneien kombinierbar und daher auch für ältere HIV-Patienten geeignet.

Raltegravir (Isentress®) ist in Europa seit Ende 2007 zugelassen in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneien zur Therapie von bereits behandelten HIV-Patienten, bei denen sich trotz Therapie der Aids-Erreger vermehrt.

HIV-Therapie ist bei jungen und alten Patienten ähnlich wirksam.

Der Integrasehemmer hat eine hohe Bioverfügbarkeit. Er kann ohne eine Verstärkung durch niedrig dosiertes Ritonavir zweimal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Arznei verursacht keine dosisabhängige Toxizität und wird in der Leber über das Enzym Glukuronyltransferase UGT 1A1 abgebaut, ohne dass es zu einer Bilirubinerhöhung kommt.

Das hat Dr. Heribert Knechten in Berlin berichtet. Da es keine Interaktion mit dem Cytochrom-P450-System gebe, sei Raltegravir ohne Dosisanpassungen mit allen gebräuchlichen Medikamenten gut kombinierbar, betonte der niedergelassene Internist mit Schwerpunkt HIV/Aids bei einer Veranstaltung von MSD. Für die HIV-Therapie älterer Patienten eigne sich der Integrasehemmer wegen der vorteilhaften Pharmakokinetik deshalb sehr gut.

So gibt es nach Angaben von Knechten immer mehr HIV-Patienten über 50 Jahre. Der Grund: Die HIV-Therapie wird immer erfolgreicher, damit steigt die Lebenserwartung. Dafür nimmt die Komplexität der HIV-Therapie bei diesen Patienten durch Begleiterkrankungen und -medikamente zu. Zudem begünstigt die HIV-Infektion altersbedingte Erkrankungen wie Nicht-Aids-definierende Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und metabolisches Syndrom. Bisherige Studien haben ergeben, dass junge und alte Patienten von einer HIV-Therapie gleich gut profitieren, so Knechten.

Die Compliance ist bei älteren Patienten zwar besser, sie wechseln aber öfter die HIV-Therapie wegen unerwünschter Wirkungen: Blutbildveränderungen und neuropsychologische Beschwerden sind häufiger. Wird HIV diagnostiziert, wenn die Patienten älter als 50 Jahre sind, ist der Immunstatus meistens schlechter und die Therapie daher immunologisch und virologisch weniger wirksam als bei jungen Patienten.

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