Ärzte Zeitung, 13.03.2008

HIV-Therapeut plädiert dafür, Tests auf den Aids-Erreger mehr zu nutzen

Viele stecken sich mit HIV bei Partnern an, die von ihrer Infektion nichts wissen

NEU-ISENBURG (ple). Von 2500 bis 3000 HIV-Neu-Infektionen jährlich in Deutschland sind mehr als 1000 auf Sexualkontakte mit Partnern zurück zu führen, die gar nicht wissen, dass sie den Aids-Erreger in sich tragen. Hausärzte können dazu beitragen, eine HIV-Infektion schon frühzeitig, also in der akuten Phase der Infektion, zu diagnostizieren.

Die geschätzte Zahl der Menschen, bei denen eine HIV-Infektion erstmals diagnostiziert wurde, ist im vergangenen Jahr auf etwa 3000 gestiegen.

In der akuten Infektionsphase haben die HIV-Patienten Fieber, Nachtschweiß, Übelkeit, Lymphdrüsenschwellungen, also Symptome, die auch beim Pfeifferschen Drüsenfieber auftreten. Daran hat Dr. Hans Jäger aus München, Leiter der am Freitag beginnenden Münchner Aids-Tage in Berlin, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erinnert.

"Jedes Pfeiffersche Drüsenfieber sollte auch an eine Infektion mit HIV denken lassen. Das gilt auch für jede schwere Grippe, die sich nach wenigen Tagen nicht bessert", so der HIV-Therapeut. Diesen Menschen relativ früh helfen zu können, und dadurch auch zu verhindern, dass sich andere an ihnen anstecken, das sei eine sehr wichtige Aufgabe für Hausärzte. Die Infektionsgefahr ist in der akuten Phase so hoch, weil die Infizierten sehr viele Viren in sich tragen.

"Jeder sexuell aktive Mensch sollte seinen HIV-Status kennen"

Nach einigen Monaten kann noch hinzukommen, dass die Infizierten immer leistungsunfähiger werden. Sie klagen über Abgeschlagenheit und zum Teil auch über Konzentrationsschwäche. Sie berichten, sie hätten "ein bleiernes Gefühl, sich nicht mehr richtig bewegen zu können".

Nach Ansicht von Jäger sollte jeder Mensch im sexuell aktiven Alter seinen HIV-Status kennen. Er plädierte für mehr Tests auf den Aids-Erreger. Außer den Gesundheitsämtern bieten inzwischen auch Aids-Hilfen sowie die Aids-Aufklärung Tests auf Antikörper gegen HIV an. Das Testergebnis muss durch einen weiteren Test, durch den sogenannten Western-Blot bestätigt werden.

Tests auf HIV sollten vor allem auch Schwangeren mehr als bisher angeboten werden, betont Jäger. Denn die Übertragung des Aids-Erregers von Müttern auf die Kinder komme vor, weil die Schwangeren nicht auf HIV getestet werden. 2007 erfolgte die Übertragung bei etwa 30 Schwangeren.

Jäger ist nicht zuletzt nach der Zulassung von drei antiretroviralen Arzneien gegen HIV in den vergangenen Monaten zuversichtlich, HIV-Infizierte eines Tages heilen zu können, also den Aids-Erreger aus dem Körper zu eliminieren: "Ich glaube, dass wir dieses Ziel in acht Jahren erreichen werden."

Weitere Infos zum Kongress unter www.aids-tage.de

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