Ärzte Zeitung, 28.03.2008

Raltegravir hält HIV dauerhaft in Schach

BERLIN (awa). Auch nach 48 Wochen Therapie ist der Integrasehemmer Raltegravir bei zuvor behandelten Patienten signifikant wirksamer ist als eine optimierte antiretrovirale Basistherapie allein.

Die 48-Wochen-Daten einer Raltegravir-Studie hat Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn bei den Münchner Aids-Tagen in Berlin vorgestellt. Zugelassen wurde Raltegravir (Isentress®) Anfang 2008 auf der Basis von 24-Wochen-Daten der Phase-III-Studien BENCHMRK 1 und 2.

In die beiden auf drei Jahre angelegten Studien wurden 699 intensiv vorbehandelte Patienten aufgenommen, deren aktuelle antiretrovirale Therapie nicht mehr wirkte. Im Verhältnis zwei zu eins erhielten sie zweimal täglich 400 mg Raltegravir (462 Patienten) oder Placebo (237 Patienten), kombiniert einer auf der Basis von Resistenztests ausgewählten optimierten Basistherapie (OBT).

Virusvermehrung bereits nach 48 Wochen unterdrückt

In der kombinierten Auswertung beider Studien erreichten mit Raltegravir plus OBT im Vergleich zu Placebo plus OBT nach 48 Wochen jeweils etwa zweimal mehr Patienten eine Virusmenge unter 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut (64 und 34 Prozent). Enthielt die OBT erstmals die neuen Substanzen Darunavir und/oder Enfuvirtid, wurde der Anteil der Patienten mit einer Virusmenge unter der Nachweisgrenze auf bis zu 89 Prozent gesteigert. Rockstroh hob auch die gute Verträglichkeit von Raltegravir hervor: Im Verlauf der 48 Wochen unterschied sich das Profil unerwünschter Wirkungen nicht von dem bei Placebo.

Zugelassen ist Raltegravir kombiniert mit weiteren antiretroviralen Arzneien bei nachgewiesener Virusvermehrung trotz antiretroviraler Therapie. Denkbar sei auch die Anwendung bei Patienten, die stabil auf eine HIV-Therapie eingestellt sind, aber wegen unerwünschter Wirkungen die Therapie wechseln müssen oder wollen, so Rockstroh bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD.

Untersucht wurde die Umstellung bei 35 intensiv behandelten Patienten, die die täglichen Injektionen mit dem Fusionshemmer Enfuvirtid nicht mehr tolerierten. Sie erhielten statt dessen Raltegravir. Nach sieben Monaten hatten weiterhin 34 der 35 Patienten eine Virusmenge unter 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter, einer von 60 Kopien.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen von Tag 1 und 2 des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

"Digitalisierung lässt sich nicht klein hoffen"

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, die Ärzte sollten sich daher aktiv daran beteiligen, appellierte der Blogger Sascha Lobo auf dem Ärztetag. mehr »