Ärzte Zeitung online, 04.08.2008

 Heute beginnt Weltaidskonferenz mit 25 000 Experten in Mexiko

Heute beginnt Weltaidskonferenz mit 25 000 Experten in Mexiko

MEXIKO-STADT (dpa). In Anwesenheit von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat der mexikanische Präsident Felipe Calderón gestern Abend (Ortszeit) in Mexiko-Stadt die Weltaidskonferenz 2008 eröffnet. Im Zentrum der am heutigen Montag beginnenden Beratungen und Diskussionen der rund 25 000 Fachleute auf Hunderten verschiedener Veranstaltungen steht auch die Frage, wie sich die unheilbare Seuche eindämmen lässt.

Experten wie der Direktor der UN-Institution UNAIDS, Peter Piot, hoben bei der Eröffnung die medizinischen Erfolge hervor. Gleichzeitig betonten sie, dass vor allem bei der Information und sexuellen Erziehung weltweit noch große Defizite bestünden.

Zentrale Themen der Weltaidskonferenz sind deshalb die Stärkung der Gesundheitssysteme und die weltweite Koordinierung von Aufklärung und Behandlung der Immunschwäche. Auch über die zunehmende Infizierung der indianischen Bevölkerungen soll diskutiert werden. Das Thema, das vor allem in Mittel- und Südamerika zum Problem geworden ist, war bereits bei einer einwöchigen "Vorkonferenz" in Mexiko erörtert worden.

"Mehr Unterstützung von Mädchen und Frauen gegen Aids"

Im Kampf gegen Aids verdienen Mädchen und Frauen nach Ansicht von Entwicklungshilfe-Experten mehr Unterstützung als bisher. "Sie tragen die Last der Epidemie doppelt und dreifach", sagte Dr. Cornelius Oepen von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. In vielen Entwicklungsländern seien sie nicht nur selbst der ständigen Ansteckungsgefahr durch ihre Männer ausgesetzt, sondern müssten sich auch um Kranke in den Familien kümmern; viele Großmütter trügen die Verantwortung für die Enkel, wenn die Eltern an Aids gestorben seien. Dies gelte vor allem im südlichen Afrika, wo zwei Drittel der weltweit 33 Millionen Aids- Infizierten leben.

Neben der Aufklärung über die Gefahren der Krankheit sei es wichtig, Frauen in ihren Rechten zu stärken, damit sie Sitz und Stimme in Organisationen und damit mehr gesellschaftlichen Einfluss bekommen. "Frauen und Mädchen haben da großen Nachholbedarf", sagte Oepen. Zwar gebe es Fortschritte in der Aidsbekämpfung, aber "nicht nur im südlichen Afrika ist noch lange nicht alles gewonnen", sagte Oepen, der als deutscher Vertreter an der Weltaidskonferenz in Mexiko-Stadt teilnimmt.

Nach wie vor sei der Mangel an medizinischem Fachpersonal groß. Derzeit werde daran gearbeitet, Fachkräfte in den Ländern zu halten und die Gesundheitsverwaltungen in die Lage zu versetzen, mehr Personal zu rekrutieren. Es gebe viel zu wenig kompetente Fachleute, die dann häufig völlig überlastet seien. Viele wichtige Aufgaben könnten Hebammen oder Krankenpfleger, aber auch geschulte Laien wie zum Beispiel Lehrer übernehmen, meint Oepen. "Beratungsgespräche für Familien muss nicht immer ein Arzt führen."

Eine umfassende Strategie gegen Aids könne ein gesamtes Gesundheitssystem stärken und auch bei der Bekämpfung anderer gefährlicher Krankheiten wie Malaria oder Tuberkulose helfen, sagte der GTZ-Experte. Das größte Problem in vielen Ländern sei der fehlende politische Wille. "Geld will jeder", aber die Mittel müssten auch sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden.

Dazu trage der von den Industrieländern gegründete Globale Fonds bei, der die Bereitstellung von Geld an Bedingungen knüpfe wie die aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft und nachweisbaren Erfolg der Vorhaben. Damit die Mittel effizient eingesetzt werden, bietet die bundeseigene GTZ im Rahmen ihrer "BACKUP Initiative" Unterstützung an. BACKUP steht für "Building Alliances, Creating Knowledge, Updating Partners" (etwa: Bündnisse knüpfen, Wissen schaffen, Partner informieren). Experten im Land helfen auf Anforderung Regierungen, aber besonders zivilgesellschaftlichen Organisationen bei der Ermittlung des jeweiligen Bedarfs und der Formulierung der Anträge.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »