Ärzte Zeitung online, 08.08.2008

Kinder werden im Kampf gegen Aids vernachlässigt

MEXIKO-STADT (dpa). Kinder werden bei der Bekämpfung von Aids nach Auffassung von Experten vernachlässigt. Sie haben kaum Zugang zu Medikamenten, und es gibt wenig Erfahrung mit der HIV-Therapie bei Kindern.

"Kinder sind auf Fotos zu sehen, tauchen in Schlagzeilen auf, sind aber beinahe unsichtbar, wenn es um Antworten auf die Frage HIV geht", sagte Linda Richter vom Sozialwissenschaftlichen Forschungsrat (HSRC) Südafrika am Mittwoch auf der Weltaidskonferenz in Mexiko-Stadt. Viele Präventionsmaßnahmen versagten im Hinblick auf Kinder. Die meisten von ihnen infizierten sich mit HIV über ihre Mutter. Programme, die dies verhindern sollen, erreichten aber nur etwa ein Drittel der Betroffenen.

Nach Daten des jüngsten Weltaidsberichts sind im vergangenen Jahr 270 000 Kinder an Aids gestorben. Die Zahl HIV-infizierter Kinder unter 15 Jahren hat dem Bericht zufolge mit weltweit etwas mehr als 2 Millionen einen neuen Höchststand erreicht, 370 000 Kinder infizierten sich neu.

Richter kritisierte, Kinder hätten einen schlechteren Zugang zu lebensverlängernden Aidsmedikamenten als Erwachsene. Außerdem gebe es viel zu wenig Daten, gleichzeitig würden vorhandene Informationen häufig nicht berücksichtigt. So sei über die HIV-Infektion im Säuglings- bis Jugendalter zu wenig bekannt. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, müssten zudem die Unterstützung von Familien und der Kampf gegen Armut im Vordergrund stehen.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) forderte auf der noch bis Freitag (8. August) laufenden Konferenz spezielle Aidsmedikamente für Kinder. Angepasste Therapien seien dringend nötig, damit weniger Kinder an den Folgen der Immunschwäche sterben. MSF behandelt eigenen Angaben zufolge weltweit mehr als 10 000 HIV-infizierte Jugendliche unter 15 Jahren mit antiretroviralen Medikamenten.

"Die meisten heute erhältlichen Mittel sind für den Einsatz in schwieriger Umgebung wenig geeignet", sagte die Pharma-Koordinatorin der MSF-Medikamentenkampagne, Karen Day. So handele es sich um Pulver, die mit Wasser gemischt werden müssten, oder bitter schmeckende Säfte, die zudem noch gekühlt werden müssten. "Bei neuen Medikamenten wissen wir noch nicht, ob sie für Kinder sicher sind", erläuterte Day. "In den entwickelten Ländern werden so wenige Kinder mit HIV geboren, dass die Forschung an Kindermedikamenten für Pharmaunternehmen keine Priorität hat."

In den vergangenen fünf Jahren hat die Organisation nach eigenen Angaben mit der Behandlung von annähernd 4000 Kindern unter fünf Jahren begonnen. "Kinder kämpfen nicht nur gegen Aids, sie kämpfen gegen die Zeit", sagte der Kinderarzt Fernando Parreño, der für MSF in Simbabwe arbeitet. "Ohne Behandlung wird die Hälfte der Kinder, die mit HIV auf die Welt kommen, ihren zweiten Geburtstag nicht erleben."

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