Ärzte Zeitung online, 12.08.2008

Genom von Aids-Viren lässt sich gezielt aus Immunzellen schneiden

BERLIN (awa). HIV-Infizierte heilen - das ist zwar nach wie vor eine Vision. Aber mit der Entwicklung neuer Therapieansätze, die das virale Erbgut wieder aus dem Human-Genom entfernen, wird dieses Therapiekonzept neu belebt.

 genom von aids-viren lässt sich gezielt aus immunzellen schneiden

HI-Virus umgeben von Erythrozyten.

Foto: Sebastian kaulitzki@www.fotolia.de

Mit speziellen molekularen Scheren soll das stabil ins menschliche Erbgut integrierte virale Genom wieder herausgeschnitten werden. Diesen vielversprechenden Ansatz für eine Eradikation, das heißt komplette Entfernung des HI-Virus aus dem menschlichen Körper, präsentierte Professor Joachim Hauber aus Hamburg bei einer Veranstaltung in Berlin.

Das Haupthindernis für eine Heilung von einer HIV-Infektion waren bisher ruhende infizierte Zellpopulationen, die nicht durch verfügbare antiretrovirale Präparate erreicht werden können. Dabei handelt es sich vor allem um langlebige CD4-positive Gedächtnis-Zellen, die inaktive provirale DNA enthalten und nach ihrer Aktivierung wieder HI-Viren produzieren können. Diese Zellpopulationen dienen als "biologische Bibliothek" für HI-Viren, auch solchen mit Resistenzmutationen. Könnte aus diesen Zellen die provirale DNA entfernt werden, ist damit deren Funktion wiederhergestellt.

Die Arbeitsgruppe von Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut entwickelte ein spezifisches Enzym, die Tre-Rekombinase. Dieses Enzym erkennt die integrierte provirale DNA im humanen Erbgut und entfernt sie gezielt. Diese Therapie ist jedoch zur Zeit nur mit Hilfe von gentechnisch veränderten, reinfundierten hämatopoetischen Stammzellen vorstellbar.

Es sei möglich, dass das Konzept der Tre-Rekombinase-Therapie Grundlage für neuartige antiretrovirale Behandlungen bilde, die die Eradikation von HIV aus dem Körper zum Ziel haben, so Hauber. So könnte zusätzlich ein Integrasehemmer verwendet werden, der den Einbau des viralen Genoms verhindert, auch in bestimmten Latenzstadien, in denen die provirale DNA noch im Zytoplasma vorliegt. Auch über eine Kombination mit einer Immunaktivierung der latent ruhenden Zellen denken die Forscher nach.

Eine erfolgreiche Eradikation hänge von der nachhaltigen Wiederherstellung des Immunsystems ab, betonte Hauber und verglich die Eradikation mit einem 100-Meter-Lauf, bei dem die ersten 90 Meter mit antiretroviralen Medikamenten und neuen Eradikationsstrategien, die letzten 10 Meter jedoch vom Immunsystem alleine bewältigt werden können.

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